Besser allein als in schlechter Gesellschaft

von Adriana Altaras

»Besser allein als in schlechter Gesellschaft« von Adriana Altaras - Buchcover | Buchblog der Buchleserin

»Ein Leben lang mittags Pasta und man überlebt alles! «

So bewegend wie komisch erzählt Adriana Altaras von ihrer Tante, der schönen Teta Jele. Von einer Frau, die 101 Jahre alt wurde, die Spanische Grippe, das KZ und ihre norditalienische Schwiegermutter überlebt. Von einer so liebevollen wie eigensinnigen Beziehung. Ein tröstliches, ein inniges Buch darüber, wie man das Leben annehmen und wie man loslassen kann.

»In Adriana Altaras‘ Buch entsteht ein schönes und auch lustiges Porträt einer wunderbaren Frau.« Doris Akrap, taz

Auszug des Klappentexts

Zwischen Humor, Nähe und der Kunst des Loslassens – ein feinfühliges Frauenporträt

Ein paar Worte vorweg

Dass das Buch »Besser allein als in schlechter Gesellschaft« von Adriana Altaras seinen Weg zu mir gefunden hat, ist schon etwas verwunderlich. Denn wie ihr wisst, meide ich eigentlich Bücher, in denen es um die Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg geht. Nicht, weil mich dieses Thema nicht interessiert, sondern weil mich die Geschichte noch immer schockiert und sprachlos macht. Vor allem, wenn man auf die Entwicklungen der heutigen Zeit blickt und leider erkennen muss, dass wir Menschen offenbar nichts dazugelernt haben.

Bei einem sehr interessanten Gespräch über unterschiedliche Bücher in meiner neuen Lieblingsbuchhandlung – dem Buchladen in Schwaigern – wurde mir dieses Frauenporträt von der Inhaberin neben anderen Werken empfohlen. Ihre Begeisterung, mit der sie über die verschiedenen Bücher sprach, hat mich angesteckt.

Ganz ehrlich: Diese Leidenschaft für Bücher und die Zeit, die man sich dort für den einzelnen Kunden nimmt, findet man wohl vor allem in kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen. Deshalb möchte ich gleich die Gelegenheit nutzen, wieder einmal eine Lanze für die kleinen Buchhandlungen zu brechen: Sucht sie auf, taucht ein in die Welt der Bücher, sprecht mit dem Ladenpersonal und kauft dort euren Lesestoff. Es lohnt sich.

Los geht’s. Werfen wir nun gemeinsam einen Blick in das Buch »Besser allein als in schlechter Gesellschaft« von Adriana Altaras.

Eine vielseitige Autorin

Adriana Altaras ist Schauspielerin, Theater- und Opernregisseurin sowie Autorin. Sie wurde 1960 in Zagreb geboren und wuchs zunächst in Italien, später in Deutschland auf. Nach ihrer Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste in Berlin vertiefte sie ihre Studien an der New York University.

Seit vielen Jahren arbeitet Altaras für Bühne, Film und Fernsehen. Sie war als Schauspielerin unter anderem an verschiedenen Berliner Theatern sowie in Stuttgart, Konstanz und Basel engagiert. Außerdem führte sie Regie an renommierten Bühnen und war als Dozentin tätig. Für ihre schauspielerische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

Als Schriftstellerin widmet sie sich häufig ihrer Familiengeschichte, jüdischer Identität und den manchmal skurrilen Seiten des Zusammenlebens. Neben dem hier besprochenen Buch »Besser allein als in schlechter Gesellschaft« hat sie vier weitere Bücher veröffentlicht: »Titos Brille«, »Doitscha«, »Das Meer und ich waren im besten Alter« und »Die jüdische Souffleuse«. Adriana Altaras lebt in Berlin.

Rückblick auf ein besonderes Leben

In »Besser allein als in schlechter Gesellschaft« erzählt Adriana Altaras von ihrer außergewöhnlichen Beziehung zu ihrer Tante Jele. Als Altaras’ Eltern aus Zagreb fliehen müssen, kommt sie als Kind zu ihrer Tante nach Italien. Jele wird für sie zu einer wichtigen Bezugsperson, zu der sie auch später im Leben immer wieder zurückkehrt.

Jahrzehnte später lebt die mittlerweile fast hundertjährige Jele nach einem Sturz in einem italienischen Pflegeheim. Die Corona-Pandemie verhindert, dass Tante und Nichte sich weiterhin regelmäßig sehen und Jeles 100. Geburtstag gemeinsam feiern können. Dafür telefonieren sie umso häufiger miteinander. In ihren fast täglichen Gesprächen blicken sie auf ein langes, bewegtes Leben, gemeinsame Erinnerungen und die wechselvolle Geschichte ihrer Familie zurück.

Jele hat Krisen, Verluste und historische Umbrüche überstanden, ohne ihren Eigensinn und ihre Lebensfreude zu verlieren. Mit pragmatischen Ratschlägen, jüdischem Humor und einer ordentlichen Portion Direktheit steht sie ihrer Nichte auch in einer persönlichen Krise zur Seite. So entsteht das liebevolle und zugleich humorvolle Porträt einer eigenwilligen Frau und einer tief verbundenen Tante-Nichte-Beziehung.

Das Buch handelt von familiärer Nähe, dem Älterwerden und der Frage, wie man angesichts von Verlust und Abschied das Leben dennoch annehmen kann.

Ein persönliches Porträt

Adriana Altaras hat mit »Besser allein als in schlechter Gesellschaft« ein einfühlsames Porträt einer außergewöhnlichen Frau und ihrer besonderen Beziehung zu ihrer Nichte verfasst.

Die Geschichte wird von zwei Erzählstimmen getragen und erinnert durch den eingeschränkten Bewegungsradius der beiden Frauen an ein Kammerspiel. Während der fast täglichen, coronabedingten Telefonate entstehen unterhaltsame, aber auch nachdenklich stimmende Dialoge zwischen den Protagonistinnen. Der Fokus liegt eindeutig auf Tante Jele, die in ihrem langen Leben vieles erlebt hat. Durch die pandemiebedingte Isolation verfügt sie nun über die Zeit und Ruhe, zurückzublicken, zu reflektieren und zu erzählen. Das geschieht nicht nur in den Gesprächen, sondern auch durch innere Monologe, die kurzweilig und tiefgründig zugleich sind.

Der Schreibstil der Autorin ist gefühlvoll und ruhig, ohne aufdringlich zu wirken. Das passt zu Tante Jele, die selbst überaus gelassen, weise, pragmatisch und von einem humorvoll-sarkastischen Wesen ist. Bei den Themen Alter, Krankheit und nahendem Tod könnte man vermuten, dass das Buch in ein düsteres Gewand gehüllt ist und voller Schwermut daherkommt. Dieses Gefühl hatte ich beim Lesen jedoch überhaupt nicht. Natürlich schwingt immer ein Hauch von Melancholie mit, aber es wird auch gescherzt, gelacht, geträumt und die eine oder andere Lebensweisheit verteilt.

Deshalb geht es für mich in diesem Buch vor allem um familiäre Nähe, das Älterwerden und die Frage, wie man nach Verlusten und angesichts des Abschieds trotzdem Ja zum Leben sagen kann.

Mein Resümee

Adriana Altaras’ »Besser allein als in schlechter Gesellschaft« hat mich berührt und noch lange nach der Lektüre beschäftigt.

Ich bin außerdem froh, dass mir die Buchhändlerin dieses Buch empfohlen hat. Meine bisherige persönliche »Abneigung« gegenüber Geschichten, die sich mit Kriegszeiten und ihren Folgen beschäftigen, wurde durch diese Lektüre auf den Prüfstand gestellt. Nicht, weil die historischen Erfahrungen hier weniger erschütternd wären, sondern weil sie in eine so persönliche, liebevolle und lebensnahe Geschichte eingebettet sind.

Dieses Buch hat mich deshalb nicht nur unterhalten und nachdenklich gemacht, sondern auch meinen Blick erweitert. Künftig werde ich solchen Büchern deutlich offener begegnen.

Meine Bewertung

5-Sterne-Bewertung
Hinweis: Keine bezahlte Werbung. 
Coverabbildung: © KIWI-Verlag, verwendet im Rahmen der Buchbesprechung | Rezension
ISBN:978-3-462-00702-2
Sprache:Deutsch
AusgabeTaschenbuch
Seitenzahl240
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:05.09.2024
Fediverse-Reaktionen

Eine liebevolle Hommage an eine besondere Frau

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