Das Leben fing im Sommer an

von Christoph Kramer

»Das Leben fing im Sommer an« - Buchcover | Buchblog der Buchleserin

Der Coming-of-Age-Roman des Fußballweltmeisters

Der wärmste Sommer aller Zeiten, die erste große Liebe, eine Nacht, die alles verändert. Christoph Kramers Debüt katapultiert uns zurück in die Zeit des Lebens, in der alles möglich schien und in der das größte Glück und die größte Verzweiflung ganz nah beieinanderlagen. Eine wunderbar melancholische Hommage an den Zauber der Anfänge, die Magie der ersten Liebe und nicht zuletzt an die Freundschaft – die Geschichte eines Sommers, an den man sich immer erinnern wird.

Auszug des Klappentexts

Abseits des Hypes: Warum Christoph Kramers Coming-of-Age-Debüt an meinem Anspruch scheitert

Ehe wir starten

Dieses Mal bespreche ich den Roman »Das Leben fing im Sommer an« von Christoph Kramer. Ihr fragt euch sicher, was los ist: Heute startet die Fußball-WM, und deshalb gibt es ein Fußballbuch, oder was? Nein, tatsächlich habe ich länger überlegt, ob ich das Buch überhaupt auf meinem Blog besprechen soll. Vergangenes Jahr habe ich lange gezögert, ob ich den Roman überhaupt kaufen soll. Immer wieder begegnete mir das Buch als Rezension bei Instagram, und immer, wenn ich im Buchladen hineingelesen habe, hatte es nicht gezündet.

Doch es kam, wie es kommen musste: In einer kleinen, inhabergeführten Buchhandlung während eines Urlaubs hatte ich das Buch wieder in der Hand, und plötzlich sprach mich die Buchhändlerin schon fast schwärmerisch darauf an. Ihre Begeisterung steckte mich an – der Funke sprang endlich über, das Buch landete im Korb und wanderte mit nach Hause. Ob sich dieser spontane Urlaubskauf gelohnt hat und was der Mann, den die meisten sonst nur vom Rasen kennen, literarisch draufhat, erfahrt ihr in dieser Rezension.

Über den Autor

Dass der Name Christoph Kramer für Gesprächsstoff sorgt, liegt an seiner ersten Karriere: Geboren 1991 in Solingen, ist Kramer als Fußball-Weltmeister von 2014, langjähriger Bundesliga-Profi und ZDF-TV-Experte bekannt. Dass er abseits des Flutlichts schon seit seiner Jugend Kurzgeschichten schreibt, überraschte im März 2025 die Literaturszene. Statt der typischen Sportler-Biografie legte er beim Verlag Kiepenheuer & Witsch seinen ersten Roman vor, der prompt auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste stürmte und für reichlich Diskussionen sorgte.

Es war einmal ein Sommer

Es ist der geschichtsträchtige Sommer 2006. Während ganz Deutschland im kollektiven Taumel des Fußball-Sommermärchens versinkt, schlägt sich der 15-jährige Chris mit ganz anderen Baustellen herum. Nachdem er gerade aus der Jugendakademie von Bayer Leverkusen geflogen ist, wackelt sein großer Traum vom Profifußball gehörig. Doch der Sport rückt in den Hintergrund, als das scheinbar Unmögliche passiert: Debbie, das unnahbare, schönste Mädchen der Schule, interessiert sich plötzlich ausgerechnet für den verpeilten und von Selbstzweifeln geplagten Teenager.

Zwischen Freibadbesuchen, Nächten auf dem Dach einer alten Scheune und Teenie-Problemen wie Akne und der Suche nach Coolness entfaltet sich eine klassische Coming-of-Age-Geschichte. Die gesamte Rahmenhandlung konzentriert sich dabei im Kern auf nur vier turbulente Tage und Nächte. Es wird eine kurze, intensive Episode voller „erster Male“, erster großer Gefühle und folgenschwerer Momente, die Chris‘ vertraute Welt und seine jugendliche Unschuld für immer verändern.

Großer Hype, ernüchternde Realität

Dass ich lange gezögert habe, mir den Roman »Das Leben fing im Sommer an« zu kaufen, hatte ich ja schon erwähnt. Und ganz ehrlich: Dieser zurückhaltende Start zieht sich wie ein roter Faden durch unser gesamtes „Verhältnis“. Ich habe das Buch erst einmal einige Zeit beiseitegelegt, denn ich wollte selbst in einer entspannten Sommerstimmung sein, wenn ich mir den Roman zu Gemüte führe. Und nun ja, gerade ist zwar kalendarisch noch nicht Sommer, aber die vergangene Hochdrucklage lies uns das schweißtreibend vergessen. Zwischen Arbeit, Freibad und lauen Abenden hatte ich das Gefühl: Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für diesen klassischen Coming-of-Age-Roman.

Doch was ich las, ließ mich schnell ernüchtert zurück. Mir fehlten der Esprit, der Witz und der überströmende Charme der Jugendlichkeit. Ich hatte erwartet, dass ich durch die Worte des Autors zurück in das intensive Lebensgefühl der Jugend transportiert werde. Was ich stattdessen bekam, war ein Schreibstil, der das gewisse Etwas vermissen ließ. Es gab leider keine raffinierte Geschichte, die mich während des Lesens zurück in die unbeschwerte Teenagerzeit katapultierte, und erst recht nicht das Gefühl, dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können. Tatsächlich habe ich mich ziemlich schnell durch die teilweise langatmige Erzählung voller langweiliger Klischees gequält. Lediglich die Sidekicks des Protagonisten ließen mich durchhalten. Der Erzählstil entspricht einfach nicht meinem Anspruch – natürlich soll dieser wahrscheinlich die Jugendlichkeit unterstreichen, aber bei mir hat er leider überhaupt nicht gezündet.

Eigentlich möchte ich keine Bücher zerreißen, weshalb ich auch gezögert habe, ob diese Besprechung überhaupt auf dem Blog erscheinen soll. Immerhin steckt viel Leidenschaft und Herzblut des Autors in dieser Geschichte. Vielleicht ist es am Ende eher ein Buch für eine deutlich jüngere Zielgruppe? Bei mir löste der Roman zeitweise eine richtige Verstimmung aus. Ich habe schon so viele tolle Bücher von Selfpublishing-Autor*innen oder aus kleinen, unabhängigen Verlagshäusern gelesen, dass mich der riesige Hype um das Buch und die Platzierung auf der Bestsellerliste richtiggehend verärgert haben. Letztlich beweist es mir wieder einmal, dass ich mit meinem anfänglichen Bauchgefühl goldrichtig lag.

Mein Fazit

Am Ende bleibt ein ernüchterndes Resümee: »Das Leben fing im Sommer an« ist ein Paradebeispiel für ein Buch, das stark von der Prominenz seines Autors lebt, den riesigen Bestseller-Hype literarisch jedoch nicht rechtfertigen kann. Wer eine tiefgründige, sprachlich feinsinnige Coming-of-Age-Geschichte sucht, wird hier enttäuscht – dafür fehlt es der Erzählung schlicht an Esprit, Tiefe und erzählerischer Raffinesse. Das Buch plätschert trotz des flirrenden Sommer-Settings von 2006 zu oft in langatmigen Teenie-Klischees und Poesiealbum-Kitsch dahin. Einzig die sympathischen Sidekicks retten die Geschichte vor dem völligen Abrampeln. Für mich ein klassischer Fehlkauf, der mich jedoch darin bestätigt, in Zukunft lieber wieder den unentdeckten Perlen aus unabhängigen Verlagen mein Vertrauen zu schenken.

Meine Bewertung

2-Sterne-Bewertung der Buchleserin
Hinweis: Keine bezahlte Werbung. 
Coverabbildung: © Kiepenheuer & Witsch, verwendet im Rahmen der Buchbesprechung
ISBN:978-3-462-00798-5
Sprache:Deutsch
AusgabeGebundene Ausgabe
Seitenzahl256
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:13.03.2025
Fediverse-Reaktionen

Eine Coming-of-Age-Zeitreise in den Sommer 2006

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