Alle meine Träume
von Grégoire Delacourt
Über die Freude des geteilten Glücks, zweite Chancen und die neue große Liebe.
Jocelyne ist Lottogewinnerin. Doch der millionenschwere Scheck stellt ihr Leben gehörig auf den Kopf. Mit einem Teil des Geldes ist ihr Mann durchgebrannt. Für die übrigen Millionen hat Jocelyne nur einen Traum: Sie sinnvoll auszugeben. Aber wie? Bei den Anonymen Gewinnern trifft sie auf Menschen, die ebenfalls mit plötzlichem Reichtum ringen. Während sie hier neue Freundschaften knüpft und sich zum ersten Mal seit langem verliebt, versteht sie, was für sie am schönsten wäre: ihr Geld anderen zu schenken. Doch das ist schwerer als gedacht …
Auszug des Klappentexts
»Alle meine Träume« – poetische Leichtigkeit trifft auf die Suche nach dem wahren Glück
Was wäre, wenn?
Stell dir vor, du gewinnst mehrere Millionen im Lotto. Wäre das die Erfüllung all deiner Träume? Eben diesem Gedankenspiel widmet sich die Romanfortsetzung »Alle meine Träume« des französischen Autors Grégoire Delacourt.
Bereits in der Auftaktgeschichte »Alle meine Wünsche« gönnte der Autor seiner Protagonistin Jocelyne einen millionenschweren Lottogewinn. Allerdings war diese davon gar nicht so begeistert, wie man vermuten könnte.
Um nun in »Alle meine Träume« eintauchen zu können, ist es nicht zwingend notwendig, die Vorgeschichte zu kennen. Allerdings entwickelt man ein deutlich tieferes Verständnis für die Romanfigur, wenn man ihren bisherigen Weg bereits begleitet hat.
Warum diese Geschichte noch nicht zu Ende erzählt war
Eigentlich wollte ich Sommer 2025 sofort mit »Alle meine Träume« loslegen. Das Cover und das Thema haben mich direkt angesprochen. Doch als mir klar wurde, dass es eine Vorgeschichte gibt, siegte meine literarische Neugier: Ich wollte die Protagonistin Jocelyne von der ersten Sekunde an verstehen und entschied mich daher, zuerst »Alle meine Wünsche« zu lesen.
Im Nachhinein war das genau die richtige Entscheidung. Oft bleiben Romanfiguren nach dem letzten Satz in ihrer Welt zurück und man fragt sich als Leser, was wohl aus ihnen geworden ist. Doch Jocelynes Geschichte fühlte sich für mich noch nicht zu Ende erzählt an. Es ist faszinierend zu sehen, wie Grégoire Delacourt seine Heldin Jahre nach dem lebensverändernden Lottogewinn erneut mit ihren Sehnsüchten und Ängsten konfrontiert. Er zeigt uns damit, dass das „Glücklich bis ans Lebensende“ im echten Leben oft viel komplexer ist, als wir es uns in Tagträumen ausmalen.
Wie es weiter geht
Es ist einige Zeit vergangen, seit ein Lottogewinn das Leben von Jocelyne komplett auf den Kopf gestellt hat. Die Tragödie um den Betrug ihres Mannes Jocelyn (ja, die beiden tragen fast den gleichen Namen) und der Verlust ihrer Ehe liegen hinter ihr. Nun begegnen wir der Protagonistin in einem neuen Lebensabschnitt wieder: Die bescheidene Kurzwarenhändlerin ist älter geworden und blickt auf die Scherben und Schätze ihrer Vergangenheit zurück. An ihrer Einstellung zum Leben – und zu dem unverhofften Reichtum – hat sich dabei nicht viel geändert.
Doch die Ruhe ist trügerisch. Jocelyne hat eine Entscheidung getroffen: Sie möchte anderen Menschen etwas Gutes tun. Mit ihren alten Träumen im Herzen und neuem Elan macht sie sich daran, ihre Visionen wahr werden zu lassen. Mutig kämpft sie um die Umsetzung ihrer Ideen, doch sie ahnt nicht, mit welchen Konsequenzen sie aufgrund ihrer damaligen und heutigen Entscheidungen noch konfrontiert wird.
So stellt sich erneut die existenzielle Frage: Kann man die Vergangenheit jemals hinter sich lassen? Und was bleibt von uns übrig, wenn die großen materiellen Wünsche längst erfüllt sind, aber die Sehnsucht nach echtem, tiefem Glück bleibt? Grégoire Delacourt nimmt uns erneut mit in Jocelynes Gedankenwelt, in der es weniger um prall gefüllte Bankkonten geht, sondern vielmehr um Vergebung, das Älterwerden und die mutige Suche nach einem Sinn.
Kurzweilig mit Ecken und Kanten
Die Hoffnung auf das große Losglück kennt vermutlich jeder. Doch ist ein millionenschwerer Lottogewinn wirklich das wahre Glück, von dem wir träumen? Oder ist er lediglich das Mittel zum Zweck? Macht viel Geld uns glücklich oder eher einsam? Für mich persönlich ist finanzielle Sorglosigkeit zwar eine Hilfe, um sich um das wahre Glück kümmern zu können, aber eben nicht die Erfüllung an sich. Was meint ihr?
Doch ich schweife ab …
Grégoire Delacourt macht es mir in »Alle meine Träume« nicht leicht. Ich war voller Vorfreude auf das Buch und fasziniert von dem Gedankenspiel dahinter. Dennoch lässt mich der Autor mit einer ambivalenten Gefühlslage zurück. Ich bin zwiegespalten, was den Schreibstil und die Denkweise hinter der Geschichte angeht.
Einerseits schreibt Delacourt gewohnt kurzweilig und mit einer fast schon poetischen Leichtigkeit, die mich schnell durch die Seiten getragen hat. Die Atmosphäre ist greifbar und das Setting mit viel französischem Flair versehen. Andererseits habe ich während des Lesens immer wieder mit dem Ton und den Werten gehadert, die durch die Zeilen schimmerten. Oft fühlte es sich für mich zu sehr nach der Sichtweise eines älteren Mannes an, der seine weibliche Hauptfigur in ein Korsett aus Weltanschauungen zwängt, die mir manchmal etwas zu einfach oder gar überholt erschienen. Es ist ein Buch, das mich gut unterhalten hat, mich aber gleichzeitig mit der Frage zurücklässt, ob diese Perspektive der Geschichte wirklich zu Jocelynes Suche nach innerem Frieden und einem Leben mit einer aufrichtigen Liebe passt.
Mein Fazit
»Alle meine Träume« ist kein klassischer Wohlfühlroman, sondern eher eine melancholische Studie über das menschliche Herz und die Frage, was nach den großen Stürmen des Lebens übrig bleibt. Grégoire Delacourt schenkt uns mit Jocelyne eine Figur, die man einfach gern haben muss, auch wenn man sich manchmal wünscht, sie dürfte aus dem etwas engen Weltbild ihres Schöpfers ausbrechen.
Wer den ersten Teil geliebt hat, wird auch hier gerne verweilen. Es ist eine leise Geschichte für alle, die wissen, dass das größte Glück nicht in der Gewinnzahl auf dem Lottoschein liegt, sondern im Glück der kleinen Dinge.
Meine Bewertung

| ISBN: | 978-3-455-01985-8 |
| Sprache: | Deutsch |
| Ausgabe | Gebundenes Buch |
| Seitenzahl | 240 |
| Verlag | Atlantik Verlag |
| Erscheinungsdatum: | 04.07.2025 |
Ein Roman über Neuanfänge, alte Wunden und die Suche nach dem wahren Glück.

