»WHAT ABOUT THE BODIES«

von Ken Jaworowski

»WHAT ABOUT THE BODIES« von Ken Jaworowski - Buchcover | Buchblog der Buchleserin

Ein Unglück kommt selten allein

In einer amerikanischen Kleinstadt kreuzen sich die Wege von drei Menschen mit ungewöhnlichen Problemen. Carla steht kurz davor, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, als ihr Sohn etwas gesteht, das alles auf den Kopf stellt. Reed, ein junger Mann mit Autismus, begibt sich auf eine nervenaufreibende Reise, um den letzten Wunsch seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen. Und die erfolglose Musikerin Liz sucht nach einem Weg, ihre Schulden bei einem brutalen Kriminellen zurückzuzahlen. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie wollen die Kontrolle über ihr Leben zurück.

Auszug des Klappentexts

Literarisches »Binge-Watching« im besten Sinne: Packend wie eine moderne Crime-Serie, dabei atmosphärisch dicht erzählt

Kurz vorweg

Von dem im Februar 2026 erschienen Kriminalroman »WHAT ABOUT THE BODIES« von Ken Jaworowski erfuhr ich bereits bei meinem Besuch der Frankfurter Buchmesse. Dort erzählte mir Lea Dunkel, die das Werk aus dem Englischen übersetzt hat, von der Geschichte. Selbstverständlich war ich neugierig, denn einen amerikanischen Noir-Krimi hatte ich bisher noch nicht gelesen. Los geht’s …

Über den Autor

Ken Jaworowski zählt zu den neueren, aber bereits viel beachteten Stimmen der amerikanischen Kriminalliteratur, und er schreibt realistische, düstere Thriller und erzählt so von Menschen am Rand der Gesellschaft.

Ken Jaworowski wuchs in Philadelphia auf und studierte an der Shippensburg University sowie an der University of Pennsylvania. In seinen jüngeren Jahren war er Amateurboxer – und ein bisschen sieht man ihm das noch an. Außerdem schrieb er Theaterstücke; mehrere davon wurden später in New York und Europa aufgeführt.

Heute arbeitet er als Redakteur bei der New York Times und lebt mit seiner Familie in New Jersey. »WHAT ABOUT THE BODIES« ist sein zweiter Roman. Sein Debüt »Small Town Sins« erschien 2023 und wurde 2024 für den Edgar Allan Poe Award – kurz Edgar, den »Oscar« der Kriminalliteratur – nominiert.

Willkommen in Locksburg

»WHAT ABOUT THE BODIES« spielt in der beschaulichen Kleinstadt Locksburg. Hier verläuft das Leben in ruhigen Bahnen. Locksburg ist einer jener von der Welt fast vergessenen Orte im ländlichen Amerika, an denen viele Bewohner davon träumen, irgendwann von dort wegzugehen. Jeder kämpft für sich um die Erfüllung seiner Träume, und bis es so weit ist, gehen die Menschen ihrem Alltag nach.

So lernen wir Carla, Reed und Liz kennen: drei Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. Doch sie verbindet etwas, völlig unerwartete Ereignisse werfen ihr bisheriges Leben aus der Bahn. Fast gleichzeitig geraten sie in Situationen, die alles verändern.

Carla steht kurz davor, sich mit einem eigenen Restaurant einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Doch eine überraschende Beichte ihres Sohnes stellt plötzlich alles infrage. Reed, ein junger Mann im Autismus-Spektrum, macht sich auf den Weg, um einen letzten Wunsch seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen. Er begibt sich auf eine Reise, die mehr Mut erfordert, als er erwartet hat. Und Liz, eine Musikerin, deren Karriere nie richtig in Gang gekommen ist, sucht verzweifelt nach einem Weg, ihre finanziellen Probleme zu lösen.

Was zunächst wie drei getrennte Geschichten wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einem Geflecht aus Zufällen, Fehlentscheidungen und riskanten Begegnungen. Während die Ereignisse immer unübersichtlicher werden, versuchen Carla, Reed und Liz vor allem eines: die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen.

Der Blick hinter die Kulissen

Eingangs erwähnte ich, dass der Roman »WHAT ABOUT THE BODIES« zur Kategorie der Noir-Krimis gehört, ein spannendes Subgenre der Kriminalliteratur.  
Typisch hierfür sind antiheldenhafte Figuren, Erzählungen aus mehreren Perspektiven und Schauplätze in wirtschaftlich schwächeren Regionen. Die Protagonisten treffen häufig moralisch schwierige Entscheidungen, was die Geschichten zu einer Mischung aus Thriller, Drama und Charakterstudie macht. Klingt doch spannend. Oder?

Ken Jaworowski hat mit seinem schnörkellosen und temporeichen Schreibstil einen Krimi geschaffen, der den Lesenden direkt ins Geschehen zieht und kaum eine Verschnaufpause gönnt. Er hat eine feine und ausbalancierte Bildsprache und schafft so einen überaus glaubwürdigen Schauplatz für seine Figuren. Er kreiert mit wenigen Worten eine nüchterne und teilweise ziemlich trostlose amerikanische Kleinstadtatmosphäre. Man spürt förmlich diese Enge und die leise Verzweiflung.

Wer regelmäßig meinen Instagram-Account besucht, weiß, dass ich gern Bruce Springsteen höre (und ihn für seine politischen Statements feiere). Jaworowski hat es geschafft, dass man als Lesender ein bisschen Springsteen in Locksburg wiederfindet.

Seine Charaktere – auch die zwielichtigen oder finsteren Figuren – sind glaubhaft, vielschichtig und in all ihrer Abgründigkeit erschreckend menschlich gezeichnet. Dem Autor gelingt es mühelos, uns zum Komplizen seiner Figuren zu machen. Obwohl deren Handeln oft die Grenzen der Legalität sprengt, fällt es schwer, sie zu verurteilen. Durch die empathische Zeichnung ihrer moralischen Abgründe lässt er die Trennlinie zwischen Gut und Böse verblassen, bis man schließlich nur noch eines tut: inständig darauf zu hoffen, dass sie heil aus ihrer Misere entkommen.

Mein Fazit

Für mich war der Krimi »WHAT ABOUT THE BODIES« von Ken Jaworowski eine echte Überraschung. Dem Autor gelingt das Kunststück, literarisches Handwerk mit dem Suchtpotenzial einer erstklassigen Krimi-Serie zu vereinen.
Man schlägt das Buch in der Absicht auf, nur ein kurzes Kapitel zu lesen, verliert sich stattdessen im Sog der Ereignisse. Diese episodische Dichte entwickelt eine narrative Kraft, der man sich nicht entziehen kann. Ein Muss für Fans von Noir-Stoffen, die keine Pausen dulden.

Meine Bewertung

5-Sterne-Bewertung
Hinweis: Werbung - Rezensionsexemplar | Lieben Dank an den Pendragon Verlag für das Leseexemplar!
ISBN:978-3-86532-926-4
Sprache:Deutsch
AusgabeTaschenbuch
Seitenzahl320
VerlagPendragon
Erscheinungsdatum:18.02.2026

Ein Noir-Krimi mit dem Suchtfaktor einer Crime-Serie.

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