Wintertöchter – Die Gabe (Teil 1)
von Mignon Kleinbek
Die Gabe – der Auftakt der Trilogie
Die Forstau – ein kleines, verborgenes Bergdorf am Fuße der österreichischen Tauern. Drei besondere Frauen: Barbara, die selbstbewusste Hebamme, ihre schwermütige Ziehschwester Marie und Anna, das Kind mit der besonderen Gabe, die sowohl Geschenk als auch Fluch bedeutet. Sie stellen sich dem harten Leben in den Bergen sowie gegen althergebrachte Traditionen in einer männerdominierten Welt. Als Roman in Maries Leben tritt, schein sich alles zum Guten zu wenden. Doch die Verbindung bringt kein Glück …
Mit »Die Gabe« beginnt die fulminante Wintertöchter-Trilogie. Die Forstau-Saga erzählt von starken Frauen, die ihr Vermächtnis über Generationen erhalten und weitergeben.
Auszug des Klappentexts
Starke Frauen, bewegende Geschichten: Ein Auftakt, der fesselt
Bevor es losgeht
Mit »Wintertöchter – Die Gabe« von Mignon Kleinbek stelle ich euch ein Buch vor, das schon von einigen Jahren erschienen ist. Denn ich finde es immer wieder schade, dass in der öffentlichen Aufmerksamkeit oftmals nur brandaktuelle Werke genauere Beachtung finden und bereits vor Jahren erschiene Geschichten schnell in Vergessenheit geraten. Für mich hat der Auftakt der Wintertöchter-Trilogie nichts von seiner literarischen Kraft eingebüßt, deshalb möchte ich euch diese Erzählung nicht vorenthalten.
Dabei muss man wissen, dass meine Lesepräferenzen eigentlich woanders liegen: Familiensagas meide ich in der Regel, und Bücher über die Kriegsjahre landen im Buchladen konsequent wieder im Regal. Aber wenn man ab und zu seine literarische Komfortzone verlässt, wird man überrascht. Warum, das erzählte ich euch jetzt …
Über die Autorin
Mignon Kleinbek begeistert sich seit jeher für Literatur, sowohl als Leserin als auch als Autorin. Sie liebt ihren wilden Garten und ihre kleine Terrasse. Wenn alles zusammentrifft, entstehen dort mit großer Leidenschaft ihre Bücher.
Besonders bemerkenswert ist ihr produktives Schaffen. Innerhalb von nur zwei Jahren veröffentlichte die ausgebildete Erzieherin ihre umfangreiche dreibändige »Forstau«-Saga mit mehr als tausend Seiten Gesamtumfang.
Bereits zuvor hatte sie sich als Sachbuchautorin einen Namen gemacht. In zwei erfolgreichen medizinischen Ratgebern setzte sie sich offen mit dem Leben mit einer rheumatischen Erkrankung auseinander und teilte ihre persönlichen Erfahrungen.
Mignon Kleinbek ist verheiratet, Mutter von zwei Söhnen und lebt im Enzkreis nahe Pforzheim.
Eher selten habe ich die Gelegenheit, Autorinnen und Autoren persönlich kennenzulernen, doch auf der Buchmesse in Frankfurt traf ich Mignon Kleinbek und spürte sofort ihre Energie sowie ihre fast magische Gabe des Erzählens.

Zu Besuch in Forstau
»Wintertöchter – Die Gabe« von Mignon Kleinbek ist der atmosphärische Auftakt einer Mehrgenerationengeschichte. In dieser Familiensaga werden die Geschehnisse der Gegenwart kunstvoll mit einer zunächst noch verborgenen Vergangenheit der Familie verwoben.
Die Erzählung beginnt im Jahr 1940. Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Barbara und Marie sowie Maries kleine Tochter Anna. Kurz nach der Geburt des Mädchens wird deutlich, dass auch Annas Leben von dem besonderen familiären Erbe geprägt sein wird. Die geheimnisvolle »Gabe«, die in ihrer Familie seit Generationen weitergegeben wird, ist nun auch auf sie übergegangen.
Der Roman begleitet die drei Frauen durch den beschwerlichen Alltag in den Bergdörfern jener Zeit. Man erlebt Annas Aufwachsen und beobachtet, wie sie lernt, mit ihrer besonderen Fähigkeit umzugehen, von der niemand je erfahren darf. Zu groß wäre die Gefahr für das Mädchen, besonders in den herausfordernden Kriegsjahren.
Als alte Briefe, Erinnerungsstücke und lange verschüttete Wahrheiten ans Licht kommen, beginnt Anna schließlich, die Geschichte ihrer Vorfahrinnen neu zu entdecken. Die Spuren führen zurück in eine bewegte Vergangenheit, in der starke Frauen unter schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen ihren eigenen Weg suchen mussten.
Der Roman entfaltet nach und nach ein dichtes Geflecht aus Familiengeheimnissen, unausgesprochenen Konflikten und emotionalen Verbindungen zwischen Müttern und Töchtern sowie über die Stellung von Frauen in der damaligen Zeit. Themen wie patriarchische Gesellschaftsstrukturen, existenzielle Kämpfe, Identität, Zugehörigkeit, Schuld und die Frage, ob man seinem Schicksal entkommen kann, stehen dabei im Zentrum.
Die Magie der »Wintertöchter«
Mignon Kleinbeks Schreibstil ist dicht und atmosphärisch, dabei aber klar und flüssig. Eine Mischung, die es leicht macht, in die Welt der Bergdörfer einzutauchen, auch wenn der Roman definitiv keine leichte Unterhaltungslektüre ist.
Schon die ersten Seiten ziehen den Lesenden in ihren Bann; die Erzählung entfaltet eine ruhige Spannung, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht.
Die Figuren wirken dabei glaubwürdig und wurden vielschichtig umgesetzt. Besonders die Frauen der Familie wurden mit einer ansprechenden Mischung aus Stärke, Verletzlichkeit und innerem Konflikt gezeichnet. Man fühlt ihre Ängste, Hoffnungen und Lasten und begleitet sie fast wie von selbst auf jedem Schritt ihres Weges.
Das Setting – die rauen Berglandschaften, die kalten Winter und der Alltag während der Kriegsjahre – wird so lebendig beschrieben, dass man Kälte und Entbehrung förmlich spüren kann.
Die Sprache transportiert diese Welt mit einem erzählerischen Gespür, bei dem man in jeder Zeile spürt, dass die Autorin eine besondere Verbindung mit der Region hat.
Besonders gefallen hat mir, dass die schweren und teilweise traumatischen Themen nicht effekthascherisch, sondern mit Ernsthaftigkeit und echter emotionaler Tiefe behandelt wurden. Sie hat es geschafft, in einer gut lesbaren Art und Weise die raue und teilweise erschütternde Lebenswelt spürbar zu machen, ohne den Lesenden dabei ins emotionale Chaos zu stürzen. Und trotz der schweren Themen wie Verlust, Leid, Verrat und existenzielle Kämpfe liest sich der Roman mit einer bemerkenswerten Sogwirkung. Es ist kein Buch für vergnügliche Lesestunden, aber genau diese Intensität sorgt für den Nachhall der Geschichte.
Kritik auf hohem Niveau
Mein einziger kleiner Kritikpunkt – ja, ich weiß, ich meckere auf hohem Niveau – betrifft einige Wendungen im Verlauf der Geschichte, die für mich etwas vorhersehbar waren. Doch selbst das stört kaum, denn mit »Die Gabe« wird der Grundstein für eine weiterführende Erzählung gelegt, in der sich sicher noch neue Überraschungen entfalten werden.
Mein Leseerlebnis war dafür umso intensiver: Ich las und las, schlug Seite um Seite um, und ehe ich mich versah, war ich am Ende des ersten Teils angekommen. Die erzählerische Kraft der Autorin fesselte mich von der ersten Seite an, ließ die Figuren lebendig werden und die Geschichte tief nachhallen. »Wintertöchter – Die Gabe« ist kein Wohlfühlroman, aber ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass zeitlose Literatur, unabhängig vom Erscheinungsjahr, berührt und mitreißt.
Mein Resümee
Mit »Wintertöchter – Die Gabe« hat Mignon Kleinbek einen bewegenden Auftakt-Roman ihrer Familiensaga verfasst. Die Geschichte lebt von ihrer stimmungsvollen Erzählweise, in der sie das Leben in seiner ganzen Härte zeigt und dabei menschliche Widerstandskraft in den Mittelpunkt stellt. Gleichzeitig verbindet der Roman historische Elemente mit persönlichen Schicksalen und legt damit den Grundstein für eine Trilogie, die familiäre Bande über Generationen hinweg eindrucksvoll beleuchtet.
Meine Bewertung

Hinweis: Werbung - Rezensionsexemplar | Vielen Dank an den Verlag für das Leseexemplar!
| ISBN: | 978-3-9817678-5-8 |
| Sprache: | Deutsch |
| Ausgabe | Taschenbuch |
| Seitenzahl | 372 |
| Verlag | Pinguletta Verlag |
| Erscheinungsdatum: | 20.11.2017 |
Eine fesselnde Familiensaga über starke Frauen

