Die Bibliothek meines Großvaters
von Masateru Konishi
Die besten Geschichten sind die, die man teilt
Der große Bestseller aus Japan über eine junge Lehrerin aus Tokio, die in einem alten Buch zufällig seltsame Zeitungsausschnitte findet. Sie zieht ihren geliebten Großvater zurate, der trotz seiner Demenzerkrankung über eine unglaubliche Kombinationsgabe verfügt und ein enormes Wissen aufweist, wenn es um die großen Klassiker der Kriminalliteratur geht. Doch plötzlich nähert sich ein bedrohlicher Schatten, der die beiden auf eine harte Probe stellt.
… für alle, die Bücher lieben.
Auszug des Klappentexts
Ein leiser Roman voller Rätsel, Spannung und japanisches Flair
Ein paar Worte vorab
Der Roman »Die Bibliothek meines Großvaters« von Masateru Konishi gehört zu den Büchern, die bei der letzten Buchmesse in meinen Rucksack gewandert sind. Zu gern mag ich Geschichten, in denen Bücher eine zentrale Rolle spielen. Wenn dann noch auf dem Klappentext steht: »… für alle, die Bücher lieben« bzw. »…für alle, die gute Geschichten lieben«, versteht es sich von selbst, dass ich zugreifen musste. Oder? 😊
Über den Autor
Masateru Konishi, Jahrgang 1965, ist als Drehbuchautor und Radiomacher tätig. Der Roman »Die Bibliothek meines Großvaters« ist sein Debütroman und bildet den Auftakt einer dreiteiligen Romanreihe. Seine Erzählung enthält autofiktionale Züge, da er in der Geschichte seine Erfahrungen mit der Pflege seines an Demenz erkrankten Vaters verarbeitet hat. In Japan entwickelte sich sein Romandebüt zum Bestseller und wurde dort mit einem prestigeträchtigen Preis geehrt. Die Übersetzung stammt von Peter Aichinger-Frankhauser, einem studierten Japanologen und Lektor.
Im März 2026 erscheint mit »Die Rätsel meines Großvaters« der zweite Teil der Trilogie.
Die Bibliothek der Geheimnisse
Die 27-jährige Kaede arbeitet als Lehrerin an einer staatlichen Grundschule in Tokio. Ihre Arbeit erfüllt sie, nicht zuletzt, weil sie damit in die Fußstapfen ihres Großvaters getreten ist, der selbst viele Jahre im Schuldienst tätig war. Regelmäßig besucht sie ihren Großvater, der allein in seinem alten Haus lebt und trotz seiner Lewy-Körper-Demenz mit reichlich Unterstützung seinen Alltag meistert. Die Krankheit beschert ihm gute und schlechte Tage, deshalb ist seine Wahrnehmung nicht immer zuverlässig. Dennoch bleiben seine geistige Schärfe, seine außergewöhnliche Kombinationsfähigkeit und seine Leidenschaft für klassische Kriminalliteratur ungebrochen.
Kaede liebt Geschichten, und als sie in einem gebraucht gekauften Buch auf merkwürdige Zeitungsausschnitte stößt, wird daraus der Ausgangspunkt für ein erstes Rätsel. Gemeinsam beginnen Großvater und Enkelin, Beobachtungen, Zufälle und Hinweise aus Kaedes Alltag miteinander zu verknüpfen. Aus leisen Gedankenspielen entstehen ernsthafte Fragen, aus kleinen Rätseln größere Zusammenhänge. Denn ihr beider Lebensmotto ist: »Alles, was auf der Welt geschieht, ist eine Geschichte.«
Während die beiden ihrer Fantasie und ihrem Wissen freien Lauf lassen, verdichten sich die Ereignisse zunehmend, und Kaede gerät unbemerkt selbst in den Fokus einer bedrohlichen Entwicklung. Ob ihre gemeinsame Liebe zur Literatur und zum Denken ausreicht, um dem Schatten zu begegnen, der sich nähert, bleibt offen.
Lesen zwischen den Kulturen
Mit dem Roman »Die Bibliothek meines Großvaters« habe ich mich wieder einmal an einen japanischen Autor gewagt. Die Kombination aus Buchcover und Klappentext hat bei mir hervorragend funktioniert und zu einer schnellen Kaufentscheidung geführt. 😉
Allerdings fällt es mir oft schwer, einen echten Zugang zu japanischer Literatur zu finden. Bisher hat mich nur Haruki Murakami wirklich überzeugt. Das bedeutet nicht, dass andere AutorInnen schlecht in ihrem Metier sind. Grundsätzlich habe ich jedoch immer wieder Schwierigkeiten, mich in die Geschichten hineinzufinden. Ob es an der Mentalität, an japanischen Gepflogenheiten oder Begrifflichkeiten liegt – oder einfach an den Unterschieden in der Anrede – kann ich nicht genau benennen. Jedenfalls bereitet mir das immer wieder Schwierigkeiten beim Lesen von Literatur aus diesem Kulturkreis.
Mit Herz und Spürsinn
Der Roman besticht durch einen angenehmen, oft poetischen Schreibstil, der die Atmosphäre Japans auf eine sehr zurückhaltende Weise vermittelt. Besonders die Beziehung zwischen Kaede und ihrem demenzkranken Großvater ist detailliert und einfühlsam gezeichnet, während die Nebenfiguren für meinen Geschmack etwas zu konturlos und unnahbar bleiben. Die Geschichte kombiniert eine japanische Familiengeschichte mit einem Hauch eines Krimis auf originelle Weise.
Besonders gefallen hat mir, dass das Demenzthema zwar eine zentrale Rolle spielt, aber niemals übermächtig oder allzu bedrückend wirkt. Das spielerische Lösen von Rätseln und die kleinen Ermittlungen bringen Spannung und Unterhaltung in die Geschichte, die zugleich von der reservierten, zurückhaltenden japanischen Mentalität geprägt ist. Das macht das Lesen kurzweilig und angenehm.
Insgesamt lässt sich das Buch zügig lesen, auch wenn die episodisch anmutende Struktur und die daraus resultierenden gelegentlichen Längen die narrative Tiefe an einigen Stellen etwas einschränken.
Mein Fazit
Den Debütroman »Die Bibliothek meines Großvaters« von Masateru Konishi habe ich regelrecht verschlungen – auch wenn ich das Buch nicht als klassischen »Pageturner« bezeichnen würde. Denn dieses Werk ist anders: Der Schreibstil ist lebendig, aber geprägt von leisen Tönen, die Atmosphäre entfaltet sich behutsam. Die Rätsel sind spannend, doch ein typischer Kriminalroman ist es nicht. Im Mittelpunkt steht die besondere Beziehung zwischen Kaede und ihrem demenzkranken Großvater – eine Geschichte über eine kleine Familie, die sich langsam voneinander verabschieden muss, aber gleichzeitig ist es mehr als ein klassischer Familienroman. Gerade diese Mischung macht das Buch zu einer kurzweiligen und besonderen Lektüre.
Wer Lust auf eine Kombination aus Familiengeschichte, Krimielementen und japanischem Flair hat, wird hier wunderbar unterhalten.
Der Auftakt hat mich neugierig gemacht, nun bin ich gespannt, wie die Geschichte im zweiten Teil weitergeht.
Meine Bewertung

Hinweis: Keine bezahlte Werbung.
Coverabbildung: © Kiepenheuer & Witsch, verwendet im Rahmen der Buchbesprechung
| ISBN: | 978-3-462-01172-2 |
| Sprache: | Deutsch |
| Ausgabe | Taschenbuch |
| Seitenzahl | 336 |
| Verlag | Kiepenheuer & Witsch |
| Erscheinungsdatum: | 14.08.2025 |
Bücher, Rätsel und Familie – ein feiner Genremix

