Frostmond

von Frauke Buchholz

»Frostmond« von Frauke Buchholz - Buchcover | Buchblog der Buchleserin

Der erste Fall für Ted Garner

Seit Jahren verschwinden junge Frauen indigener Herkunft spurlos entlang des Transcanada-Highways. Für die Polizei scheinen diese Verbrechen keine Priorität zu haben. Doch als die 15-jährige Jeanette Maskisin in Montreal tot aufgefunden wird und die Medien darüber groß berichten, werden die Ermittler LeRoux und Garner auf den Fall angesetzt. Ihre erste Anlaufstelle ist ein Cree-Reservat im hohen Norden Quebecs, aus dem Jeanette stammt. Dort stoßen die Polizisten auf Ablehnung, denn aus Sicht der First-Nation-Familien hat sich die Polizei nie für die vermissten Frauen interessiert. Die Ermittler kommen immer mehr in Bedrängnis, denn es werden weitere Opfer befürchtet und auch der Täter wird zur Zielscheibe – jemand hat blutige Rache geschworen.

Auszug des Klappentexts

Mehr als ein Mord: Ein spannender Kriminalroman trifft auf gesellschaftliche Realität

Ein paar Zeilen vorab

Die Autorin Frauke Buchholz hatte ich bislang gar nicht auf dem Schirm. Erst durch ein Gespräch mit dem Team des Pendragon Verlags auf der Frankfurter Buchmesse wurde ich auf sie aufmerksam.
Da ich auf meinem Blog gern auch Bücher vorstelle, die bereits seit einiger Zeit auf dem Markt sind, habe ich mich umso mehr über das Leseexemplar gefreut – und über meinen literarischen Ausflug nach Kanada, den die Geschichte »Frostmond« für mich bereithielt. Auf geht’s!

Die Autorin

Frauke Buchholz, Jahrgang 1960, stammt aus dem Raum Düsseldorf. Sie studierte Anglistik und Romanistik an den Universitäten Köln, Heidelberg und Aachen. Ihre Promotion widmete sie der zeitgenössischen Literatur indigener Autorinnen und Autoren aus den USA.

Sie liebt das Reisen, und ihre Neugier auf andere Länder und Kulturen führte sie unter anderem für längere Zeit in ein Cree-Reservat nach Kanada. Heute lebt sie in Aachen und ist als Autorin von Romanen und Kurzgeschichten tätig, die in verschiedenen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht wurden. Für ihre Erzählung »Barfly« erhielt sie 2020 den ersten Preis der Gruppe 48.

Mit »Frostmond« legte Frauke Buchholz ihren ersten Kriminalroman vor. Das Debüt wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter im September 2021 mit dem »Harzer Hammer« und im April 2022 mit dem »Stuttgarter Krimipreis« für den besten Erstling.

Im September 2022 erschien mit »Blutrodeo« der zweite Thriller um den Ermittler Ted Garner im Pendragon Verlag. Der dritte Band der Reihe, »Skalpjagd« folgte im Februar 2024, und für Februar 2026 ist der vierte Teil der Ted-Garner-Reihe angekündigt: »Endzeit«. Dieser Thriller greift hochaktuelle Themen wie Verschwörungserzählungen, Endzeitdenken und Rassismus auf und beleuchtet deren Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Der Highway of Tears

Der Kriminalroman »Frostmond« entführt die Lesenden nach Kanada. Im Mittelpunkt steht eine lange Reihe ungeklärter Vermissten- und Mordfälle an jungen indigenen Frauen entlang des sogenannten Trans-Canada Highways – einer Strecke, die aufgrund der Vielzahl ungeklärter Verbrechen den traurigen Beinamen »Highway of Tears« trägt. Lange Zeit erhielten diese Fälle von den Behörden nur wenig Aufmerksamkeit.

Erst der grausame Fund der Leiche der fünfzehnjährigen Jeanette Maskisin sorgt für Schlagzeilen und bringt die Ermittlungen ins Rollen – und damit auch die Geschichte von »Frostmond«. Dem örtlichen Ermittler Sergeant Jean-Baptiste LeRoux wird der kanadische Profiler Ted Garner zur Seite gestellt. Gemeinsam versuchen sie, die Hintergründe des Mordes an der indigenen Jugendlichen aufzuklären.

Ihre Ermittlungsarbeit führt Garner und LeRoux nicht nur durch die urbane Metropole Montreal, sondern auch in abgelegene Regionen bis hin zu dem Cree-Reservat, aus dem Jeanette stammt. Dort begegnen sie Misstrauen und Ablehnung, denn viele Angehörige fühlen sich von der Polizei seit Jahren im Stich gelassen. Während die Ermittler versuchen, Licht in den Fall zu bringen, geraten sie sowohl beruflich als auch persönlich zunehmend unter Druck.

Der Kriminalroman ist tief in die gesellschaftlichen Realitäten Kanadas eingebettet und thematisiert auf authentische Weise die bestehenden Spannungen zwischen den Polizeibehörden und First-Nation-Gemeinschaften.

Spannung trifft auf gesellschaftliche Themen

Wie erwähnt ist der Kriminalroman »Frostmond« mein erstes Buch der Autorin, und ihren ruhigen, präzisen und nuancierten Schreibstil habe ich sofort gemocht. Sie verzichtet auf reißerische Effekte und setzt stattdessen auf eine klare, oft nüchterne Sprache, die den ernsten Themen des Romans Raum gibt.
Besonders überzeugend ist die Figurenzeichnung: Die zentralen Charaktere wirken vielschichtig und voller Ecken und Kanten. Faszinierend fand ich, dass mir die Ermittler bisweilen wirklich unsympathisch waren. Zwar sind ihre Handlungen nachvollziehbar und passen hervorragend zum Plot, doch ins Herz schließen konnte ich die beiden nicht. Trotzdem konnte ich das Buch nicht beiseitelegen. Die Autorin schafft es, eine emotionale und gleichzeitig spannungsgeladene Story zu erzählen, die gesellschaftliche Realitäten und Abgründe widerspiegelt. Das Ermittlerduo polarisiert, gewinnt nicht den Sympathiepreis, fesselt die Lesenden aber derart, dass man wie suchtgesteuert durch die Seiten fliegt. Auch die Nebenfiguren sind gut gezeichnet und tragen zur Authentizität des gesellschaftlichen Umfelds bei.

Der Handlungsaufbau folgt einem klassischen, aber wirkungsvollen Spannungsbogen, der sich langsam entfaltet und kontinuierlich verdichtet. Die Spannung entsteht weniger durch actionreiche Szenen, sondern durch Atmosphäre, zunehmende moralische Konflikte und das schrittweise Offenlegen von Zusammenhängen. So entstand ein Krimi, der sowohl emotional packt als auch nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Darüber hinaus verknüpft der Roman kriminalistische Spannung mit Einblicken in die Lebensrealität indigener Gemeinschaften. Themen wie Vorurteile, institutionelles Desinteresse und die kulturellen Barrieren zwischen Ermittlern der weißen Mehrheitsgesellschaft und indigenen Gemeinschaften werden dabei sensibel und überzeugend eingebunden.

Mein Fazit

Mit ihrem Debüt »Frostmond« überzeugt Frauke Buchholz durch einen ruhigen und stimmungsvollen Schreibstil. Der Krimi fesselt mit einem spannenden Handlungsaufbau und Figuren, die Ecken und Kanten haben, während Nebencharaktere für Authentizität sorgen. Gleichzeitig beleuchtet der Roman eindrucksvoll gesellschaftliche Realitäten und das Leben indigener Gemeinschaften.

Meine Bewertung

5-Sterne-Bewertung
Hinweis: Unbezahlte Werbung - Rezensionsexemplar | Vielen Dank für das Leseexemplar!
ISBN:978-3-86532-723-9
Sprache:Deutsch
AusgabeTaschenbuch
Seitenzahl288
VerlagPendragon
Erscheinungsdatum:24.02.2021
Fediverse-Reaktionen

Krimi trifft gesellschaftliche Realität

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