Strandgut
von Benjamin Myers
Hoffnung ist ein Ort, der am Meer liegt
Bucky hat mit seinen gut siebzig Jahren noch nie das Meer gesehen. Und doch treibt er seit dem Tod seiner Frau durchs Leben wie ein Schiffbrüchiger. Da erreicht ihn völlig unerwartet eine Einladung ins englische Scarborough. An der britischen Küste angekommen, trifft er auf Dinah, eine melancholische und lebenskluge Mitfünfzigerin, die ihren deprimierenden Alltag am besten vergessen kann, wenn sie sich in die kalte Nordsee stürzt. Bucky ist tief beeindruckt von der unerschütterlichen Engländerin. Doch auch in Dinah regt sich etwas: der Wille, es noch einmal mit dem Leben aufzunehmen.
»Strandgut« ist eine Geschichte vom Weitermachen, vom Sich-aneinander-Aufrichten. Eine Geschichte vom Meer, auf dessen Oberfläche ein Streifen Hoffnung schimmert.
Auszug des Klappentexts
Wenn Worte Bilder malen – ein Roman über Verlust, Nähe und Hoffnung
Ein paar Worte vorab
Um den Roman »Strandgut« von Benjamin Myers bin ich seit seinem Erscheinen herumgeschlichen, doch erst auf der Frankfurter Buchmesse habe ich zugeschlagen und das Buch gekauft. Eigentlich wollte ich erst seinen Bestseller-Roman »Offene See« lesen, um mich im Anschluss dem »Strandgut« zu widmen, aber der kauzige Bucky hatte mich einfach nicht losgelassen. Warum, lest ihr jetzt …
Über den Autoren
Benjamin Myers (*1976 in Durham, England) ist ein britischer Journalist und Schriftsteller, der in seinen Büchern oft Landschaft, Geschichte und viele Facetten des menschlichen Lebens erkundet. Myers begann seine schriftstellerische Laufbahn mit Musikbiografien über Bands wie Muse und Green Day, bevor er sich verstärkt der Belletristik zuwandte. Seine Arbeit umfasst Romane, Sachbücher, Lyrik und Journalismus; sie wurde mehrfach ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. In Großbritannien gewann er u. a. den renommierten Goldsmiths Prize für »Cuddy – Echo der Zeit« und den Walter Scott Prize für historische Belletristik für »The Gallows Pole«.
Den internationalen Durchbruch erzielte er mit »Offene See«, das nicht nur lange auf den Bestsellerlisten stand, sondern auch als »Lieblingsbuch der Unabhängigen« gewürdigt wurde.
Myers’ Werk hat mediale Aufmerksamkeit über die Literaturwelt hinaus erhalten: »The Gallows Pole« wurde für BBC als Miniserie adaptiert, und für »Rare Singles« ist eine Kinofilm-Adaption in Arbeit (mehr hier), und laut einem Interview mit Dumont wird sein Roman »Offene See« ebenfalls in die Filmproduktion gehen, mit Helena Bonham Carter in der Hauptrolle als Dulcie Piper. Mehr dazu hier. Er lebt mit seiner Frau im Norden Englands.
Eine Reise ins Ungewisse
In »Strandgut« erzählt Benjamin Myers die Geschichte von Earlon »Bucky« Bronco, einem siebzigjährigen Mann aus Chicago, dessen Leben nach dem Tod seiner Frau nahezu zum Stillstand gekommen ist. Er verbringt seine Tage in einer grauen Routine, abgeschnitten von Sinn und Zukunft, und wartet auf das Ende seines Weges.
Völlig unerwartet erhält Bucky eine Einladung nach England: In Scarborough, einer Küstenstadt im Norden, soll ein Soul-Festival stattfinden – und er selbst ist als Musiker eingeladen. Was Bucky kaum fassen kann: In Großbritannien wird er als Kultfigur gefeiert, während seine musikalische Vergangenheit in den USA längst in Vergessenheit geraten ist.
An der englischen Küste begegnet er Dinah, einer nachdenklichen, lebenserfahrenen Frau Mitte fünfzig. Auch sie trägt ihre eigenen Enttäuschungen mit sich und findet Trost in Buckys Musik und im rauen Meer, dem sie sich regelmäßig aussetzt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine vorsichtige Nähe, getragen von schmerzhaften Verlusten, Erinnerungen und dem Bedürfnis, dem eigenen Leben noch einmal Bedeutung zu geben.
Benjamin Myers erzählt von zwei Menschen, die vom Leben an den Rand gespült wurden, und von der Möglichkeit, dort dennoch Halt zu finden. Das Meer wird dabei zur zentralen Metapher: als Ort der Wildheit, Kälte und Gefahr, aber auch als Raum für das Unbekannte, für Bewegung und Erinnerung, und damit für einen leisen Hoffnungsschimmer auf einen Neubeginn.
Wenn Worte Bilder malen
Seinen Roman »Strandgut« hat der Autor in drei Teile gegliedert und mit einem Prolog versehen, wenngleich er diesen nicht ausdrücklich als solchen betitelt hat.
Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich ein Fan erster Sätze mit Sogwirkung bin und Benjamin Myers hat mich mit seinen bildgewaltigen Worten direkt verzaubert:
»Die frühe weiße Sonne schien durch die schiefen Fensterläden und ließ ihr kaltes Morgenlicht über den abgewetzten Teppich kriechen, um ihn zu wecken.«
»Strandgut« (erster Satz aus Teil 1) von Benjamin Myers
Myers erzählt mit einer leisen, fast tastenden Stimme und lässt die Lesenden so nicht nur beobachten, sondern auch emotional eintauchen.
Sein Stil ist eindringlich im besten Sinne: Er vertraut auf genaue Beobachtungen, auf Pausen und auf das Ungesagte. Statt Handlung in den Vordergrund zu stellen, lässt er Atmosphäre entstehen und gibt seinen Figuren Raum, sich zu entfalten, ihre Gefühle und Gedanken – die positiven wie die negativen – auszuleben und sich weiterzuentwickeln. Die Sprache bleibt dabei stets zugänglich, ohne an literarischer Dichte zu verlieren.
Bucky und Dinah wirken wie Menschen, denen man tatsächlich begegnen könnte – echt und realitätsnah. Ihre Verletzlichkeit, ihre Zurückhaltung und ihr Humor werden nicht ausgestellt, sondern beiläufig sichtbar. Myers begegnet seinen Figuren mit Respekt und Wärme, ohne ihre Einsamkeit und Unzulänglichkeiten zu beschönigen. Gerade diese Zurückhaltung macht »Strandgut« zu einem Roman, der lange in Erinnerung bleibt.
Mein Resümee
Der Roman »Strandgut« hat bei mir Lust auf mehr von Benjamin Myers’ Erzählungen geweckt. Sein Sprachstil, seine einfühlsame Annäherung an die Protagonisten und sein Blick auf Menschen, Strukturen und das Zwischenmenschliche – ohne erhobenen Zeigefinger – machen das Lesen zu einem literarischen Genuss. Ich verstehe gut, warum seine Werke Preise gewinnen und den Weg auf die Leinwand finden.
Für mich: gern mehr davon. 🙂
Meine Bewertung

Hinweis: Keine bezahlte Werbung.
Coverabbildung: © DUMONT Verlag, verwendet im Rahmen der Buchbesprechung | Rezension
| ISBN: | 978-3-7558-0037-8 |
| Sprache: | Deutsch |
| Ausgabe | Gebundenes Buch |
| Seitenzahl | 288 |
| Verlag | DuMont Buchverlag |
| Erscheinungsdatum: | 17.06.2025 |
Ein Roman über Verlust, Nähe und Hoffnung

