Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf

von Andrea Paluch und Robert Habeck

»Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf« von Andrea Paluch und Robert Habeck - Buchcover | Buchblog der Buchleserin

Wie gut kennen wir die, die wir lieben?

Nach dem ungeklärten Tod ihres Ehemanns zieht sich Helene in sich selbst zurück. Ihre Kinder sind noch klein, sie kümmert sich um ihre Firma, doch in ihr ist es still.

Bis eines Tages ein alter Freund anruft, ein ehemaliger Verehrer, der sie in die Oper einlädt. Sie sagt zu, um der alten Zeiten willen. Als er in der Pause zum Sektstand geht, fällt ihr Blick auf einen Mann, dessen Züge, dessen Bewegungen sie wiederzuerkennen glaubt – ist das ihr Ehemann?

Auszug des Klappentexts

Ein Roman über eine unheimliche Begegnung – und eine Geschichte zwischen Wirklichkeit und Erinnerung

Ein paar Worte vorweg

Der Roman »Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf« fand seinen Weg als Geschenk zu mir. Eine liebe Freundin meinte, es sei ein Unding, dass ich noch keinen Roman von dem Autorenpaar Andrea Paluch und Robert Habeck besprochen hätte, und überreichte mir freudestrahlend ein hübsch verpacktes Buchpräsent.
So fand das schmale Buch direkt seinen Weg in meine Auswahl an Lesestoff für den anstehenden Sommerurlaub. Bücher, Sommer, Träume und Liebe – das gehört doch irgendwie zusammen. Oder?

Das Autorenduo

Der bereits 2005 beim Piper Verlag erschienene Roman »Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf« ist der einzige Liebesroman von Andrea Paluch und Robert Habeck. Im Jahr 2024 wurde das Buch bei Kiepenheuer & Witsch neu verlegt.

Das Autorenpaar ist den aufgeklärten und gesellschaftspolitisch interessierten Leser*innen selbstverständlich ein Begriff. Deshalb werde ich zum Autor Robert Habeck kaum Worte verlieren und mich bei der Vorstellung etwas mehr auf seine Partnerin Andrea Paluch fokussieren.
Sie wuchs in Garbsen auf, studierte Literaturwissenschaften, Linguistik und Anglistik an der Universität Hannover, an der Universität in Freiburg im Breisgau und Hamburg und absolvierte 1992/1993 ein Auslandsstudium in Roskilde in Dänemark. Während ihrer Studienzeit lernte sie Robert Habeck kennen und 1996 folgte bereits die Hochzeit. Im Laufe der nächsten Jahre bekam das Paar vier Söhne, währenddessen promovierte sie, veröffentlichte 2001 gemeinsam mit ihrem Mann den Debütroman »Hauke Haiens Tod« und 2002 ihre Doktorarbeit. Die nächsten Jahre des Paares waren u. a. von der literarischen Arbeit geprägt, es erschienen zahlreiche weitere Werke – auch Kinderbücher – und ihr Mann stieg in die Politikarbeit ein – der Rest dürfte bekannt sein.

Zwischen Liebe und Verlust

Helene funktioniert mehr als das sie lebt. Seit ihr Ehemann Robert bei einem Unfall auf See verschwand und offiziell für tot erklärt wurde, ist jeder Tag eine Herausforderung. Sie kümmert sich um die gemeinsamen Kinder und die Firma, versucht, den Alltag zu bewältigen – doch der tragische Verlust hat sie geprägt. Ihr Inneres ist von einer allgegenwärtigen Leere und tiefer Trauer erfüllt.

Eines Tages meldet sich ein alter Freund, ein ehemaliger Verehrer, und lädt sie zu einem gemeinsamen Opernbesuch ein. Zuerst will sie ablehnen, doch nach einigem hin und her will sie dem Ganzen eine Chance geben, wenngleich nur der alten Zeiten zuliebe. Während der Pause bemerkt sie einen Mann, der Robert verblüffend ähnlich sieht – sein Gang, sein Ausdruck, seine Züge. Helenes Herz setzt aus, als sie ihn erkennt … oder meint, zu erkennen. Geschockt tritt sie dem Mann gegenüber, denn sie kann die Ähnlichkeit einfach nicht ignorieren.…

Helene steht vor der Entscheidung, ob sie diesem vermeintlichen Robert glauben kann oder ob alles Einbildung, Wunschdenken oder Selbsttäuschung ist.

Diese Begegnung löst bei ihr eine Flut an Fragen aus: Wie sicher kann man sein, wen man geliebt hat? Können Erinnerungen täuschen? Wie viel Gewicht haben die eigenen Hoffnungen und Ängste, wenn man von Verlust geprägt ist?

Das Spiel mit den Emotionen

»Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf« von Andrea Paluch und Robert Habeck ist ein leiser, einfühlsamer Roman. Sie erzählen die Geschichte von Helene als Teil eines gewöhnlichen Paares, in kleinen Rückblicken auf die Zeit, in der sie noch zusammen waren. Beschreiben Herausforderungen mit dem Familienalltag und berichten von all den Veränderungen, die das Leben mit sich bringt. So schuf das Autorenduo in der Erinnerung ihrer Protagonistin eine fast alltägliche Liebesgeschichte zwischen Kindererziehung, Schlafmangel und Wäschebergen – über zwei Menschen, die sich im Alltagschaos manchmal verlieren, nur um sich immer wieder neu zu finden.

Immer wieder wird der tiefe Schmerz des erlittenen Verlustes sichtbar und die Anstrengung des Weitermachens, trotz der inneren Leere und tiefen Trauer. Die Zeit heilt nicht derartige Wunden, und doch scheint Helene sich langsam zurück ins fast normale Leben zu kämpfen, bis diese sonderbare Begegnung alte Wunden aufreißt.

Im Spiegel der Sprache

Der Roman »Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf« zeichnet sich durch eine klare und unaufgeregte Sprache aus. Der Ton wirkt zum einen sachlich, ist zugleich sehr einfühlsam und man merkt nicht, dass hier zwei Personen an der Geschichte geschrieben haben.
Die Autoren verzichten auf übermäßig blumige oder verschachtelte Formulierungen und setzen stattdessen auf eine direkte, leicht verständliche Ausdrucksweise, die den Lesefluss unterstützt und den Fokus auf das Innenleben der zentralen Figur legt.

Die Ausgestaltung der Figuren ist bewusst schlicht und lebensnah gehalten. Die Protagonisten wirken wie Menschen aus dem echten Leben, deren Handlungen und Gedanken (meist) nachvollziehbar bleiben. Die kurze Erzählung kommt ohne überzeichnete Charaktere oder archetypische Rollenbilder aus, stattdessen bietet der Roman eine feine psychologische Zeichnung zum Thema Liebe, Alltag, Trauer und Verlust, die den Leser einlädt, sich mit den Figuren zu identifizieren und ihre Handlungsweisen (in Teilen) nachzuvollziehen zu können.

Kurz vorm Schluss

Der Roman »Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf« kommt mit einer überschaubaren Länge von 160 Seiten daher, und somit ist dieses Buch viel zu schnell ausgelesen. Es ist auch kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die Geschichte ein paar Seiten mehr vertragen hätte. Aus der literarischen Perspektive ist das Ende zwar passend gewählt, doch als Lesende*r wünscht man sich oft mehr – mehr Einblicke, mehr Entwicklung, mehr Gewissheit darüber, wie es weitergeht.

Natürlich darf auch in meiner Buchbesprechung der Hinweis nicht fehlen, dass es zu Beginn durchaus verwirrend ist, dass das Autorenpaar der Figur von Helenes Mann ebenfalls den Namen Robert gegeben hat.
Ich kann mir buchstäblich ihre Freude über dieses persönliche und sehr offensichtliche „Easter Egg“ bildlich vorstellen – ebenso wie die Verwirrung des Feuilletons und die unzähligen Fragen von Interviewer*innen: Wie viel Robert steckt wirklich in der fiktiven Figur? Ich finde, es sei den Autoren gegönnt. 😉

Mein Fazit

Mit ihrem Roman »Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf« erzählen Andrea Paluch und Robert Habeck eine kurzweilige und emotionale Geschichte von einem Ehepaar wie du und ich, über dessen Familienalltag, den tragischen Verlust und über eine Begegnung die Helenes Herz stocken lässt.
Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Liebesroman und psychologischem Thriller. Insgesamt bietet der Roman eine eindringliche Verbindung aus Alltagsnähe und emotionaler Tiefe, besonders für Leser*innen, die eine unaufgeregte, aber berührende Geschichte schätzen und sich nicht vor offenen Fragen scheuen.

Meine Bewertung

4-Sterne-Bewertung | Buchblog der Buchleserin
Hinweis: Keine bezahlte Werbung. 
Coverabbildung: © Kiepenheuer & Witsch, verwendet im Rahmen der Buchbesprechung
ISBN:978-3-462-00547-9
Sprache:Deutsch
AusgabeTaschenbuch
Seitenzahl160
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:06.06.2024
Fediverse-Reaktionen

Ein Roman über eine unheimliche Begegnung

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