Nirgendwann: Plan B war auch Mist
von Mac Conin
Chaos, Pleite und ein Plan B, der keiner sein sollte…
Jo steht vor dem Nichts: kein Geld, kein Job, bald keine Wohnung. Als ihr Chef zu weit geht, zieht sie die Reißleine – doch der Preis ist hoch. In einer Stadt, die keine Rücksicht nimmt.
Auszug des Klappentexts
Sie kämpft sich mit Trotz, trockenem Humor und der Hilfe eines alten Mannes durch die täglichen Zumutungen des Großstadtlebens.
Zwischen Grapschern, Schulden und der Hoffnung auf ein anderes Leben stellt sich eine Frage: Wie tief kann man fallen – und wann beginnt der Weg zurück?
Ein Roman über Krisen, Scheitern, Umwege und Weitermachen – ungeschönt und schnörkellos
Bevor wir eintauchen
Das Buch »Nirgendwann« von Mac Conin wurde mir als Rezensionsexemplar vom Kontrabande Verlag angeboten. Weder der Autor noch der Verlag waren mir bekannt, aber der Buchtitel versprach eine interessante Story, und der Klappentext bestätigte mir dies. Meine Leseliste war zwar bereits ordentlich gefüllt, aber in dieses Buch wollte ich unbedingt eintauchen. Lass uns beginnen…
Der Autor
Mac Conin wurde 1961 in Köln geboren und ist bis heute in der Stadt fest verwurzelt. Seine künstlerische Ader hat er schon früh entdeckt und begann in den 1970er Jahren seine berufliche Laufbahn im grafischen Bereich, arbeitete u. a. als Layouter, Mediengestalter und betreibt seit 1988 eine eigene Werbeagentur in Köln. Dem Schreiben widmet er sich ab 2022 und gründete 2023 direkt den Buchverlag Kontrabande. Der noch recht junge Kölner Verlag hat es sich (laut eigenen Angaben) zur Aufgabe gemacht, jungen und unkonventionellen Stimmen eine Plattform zu geben, mit dem Fokus auf experimentellen und gesellschaftskritischen Werken sowie spannenden Jugendbüchern. Liebesromane und vorhersehbare Wohlfühlgeschichten hingegen gehören nicht zum Portfolio. Selbstverständlich verlegt Mac Conin auch seine eigenen Werke, und so erschien im Januar 2025 sein Debütroman »Himmelsstürmer«. Neben all den genannten Tätigkeitsfeldern ist Mac Conin auch als Übersetzer tätig.
Ohne Netz und doppelten Boden
Die junge Jo steht plötzlich vor dem Nichts: kein Geld, kein Job und bald droht ihr die Obdachlosigkeit. Die Gründe dafür sind vielfältig: Ohne eine abgeschlossene Ausbildung ist sie gezwungen, schlecht bezahlte Jobs anzunehmen, während ihre überteuerte Wohnung ihr finanziell längst über den Kopf wächst. Sie liebt ihren aktuellen Job im Café – den Tanz durch die Tische und die vertraute Stammkundschaft. Wäre da nur nicht ihr übergriffiger Chef. Als dieser sie massiv bedrängt, wehrt sie sich, doch das hat Konsequenzen.
Obwohl sie sich stets abgerackert hat, ist sie nun – ohne Job und Geld – ganz unten angekommen. In ihrer Verzweiflung trifft Jo auf Carlo, einen schüchternen und hilfsbereiten Stammgast aus dem Café. Er nimmt sie vorübergehend bei sich auf, aber eine dauerhafte Lösung ist das nicht. Dank seiner Vermittlung landet Jo schließlich bei seinem älteren Nachbarn Hänsel. Der lebt seit zwanzig Jahren allein in einer viel zu großen Wohnung, und bietet Jo, unter der Bedingung, dass sie ihm im Haushalt hilft, ein freies Zimmer an.
Einst war Jo zum Studieren nach Köln gezogen, allerdings hatte das Leben andere Pläne. Hinzu kommen die Sorgen um ihre jüngeren Geschwister Pete und Hella, die zu ihrem täglichen Begleiter geworden sind. Jo würde sie am liebsten zu sich holen, aber ohne Job und eigene Wohnung ist das unmöglich.
In der ungewöhnlichen WG mit Hänsel findet sie zumindest für kurze Zeit etwas Ruhe und Freiraum, um Pläne für die Zukunft zu schmieden. Doch dann erreicht sie ein beunruhigender Anruf – und Jo steht erneut vor einer Entscheidung, die alles verändern könnte.
Wort für Wort
Mac Conin erzählt seinen Roman »Nirgendwann: Plan B war auch Mist«in einer schnörkellosen und direkten Sprache, die genau das trifft, was seine Hauptfigur Jo ausmacht: Eine junge Frau, die einst voller Träume war, nun gegen die Gegebenheiten rebelliert. Sie hadert mit den zugeteilten Chancen des Lebens, kämpft trotzig gegen Zweifel an und versucht, ihre Verletzlichkeit zu verbergen. Der Ton ist oft trocken, stellenweise leicht ironisch, dabei nie zynisch. Stattdessen liegt eine sanfte Wärme zwischen den Zeilen, selbst dann, wenn die Lage der Protagonistin aussichtslos scheint.
Die Figuren sind lebensnah und vielschichtig gestaltet. Jo wirkt weder überzeichnet noch idealisiert. Sie ist wütend, erschöpft, aber auch zäh und kämpferisch. Die Nebenfiguren, allen voran Carlo und Hänsel, sind keine bloßen Nebencharakter, sondern bringen ihre eigene Biografie, Schwächen und Stärken mit. Dem Autor gelang es, aktuelle Themen wie soziale Isolation, den stetigen Wandel der Städtestruktur, Armut, Chancenlosigkeit, Gewalt und Unterdrückung oder emotionale Unbeholfenheit in die Geschichten einzuflechten, ganz nebenbei und ohne überbordendes Pathos.
Der Roman »Nirgendwann: Plan B war auch Mist« ist in einem klassischen linearen Aufbau gehalten und kommt ohne die beliebten Rückblenden aus, was der Klarheit der Erzählung zugutekommt.
Doch für eine Besonderheit sorgte der Autor dennoch: Regelmäßig kommt ein Büdchen – ein kleiner Kiosk in dem man fast rund um die Uhr Getränke, Süßigkeiten, Zeitungen und Alltagsbedarf kaufen kann und der oftmals ein beliebter sozialer Treffpunkt im Stadtviertel ist (oder war) – zu Wort. Das Büdchen berichtet von der Veränderung in seinem Viertel und nimmt immer wieder Bezug auf Studien und Wissenschaftler, die sich mit der Thematik auseinandergesetzt haben.
Dieser Ansatz zur Sozialkritik tut der Story unglaublich gut und hebt sie meiner Meinung nach von der klassischen Romanerzählung ab. Allerdings möchte ich hier den Einwurf nicht versäumen, dass genau dieses erzählerische Element von einigen Leser*innen als störend empfunden werden könnte, weil dieser Bildungsansatz eventuell missverstanden werden könnte.
Wenn Literatur Haltung zeigt
Trotz der oft schweren Thematik bleibt die Geschichte von »Nirgendwann: Plan B war auch Mist« gut lesbar und offen, weil sie nicht auf Mitleid setzt, sondern auf das Miteinander. Genau das hat mir besonders gefallen.
Und auch wenn thematisch Welten zwischen den beiden Büchern liegen, musste ich beim Lesen (und Nachdenken über die Erzählung) immer wieder an den bereits 2006 erschienenen Roman »Zusammen ist man weniger allein« von Anna Gavalda denken. Vielleicht, weil mir der Gedanke gefällt, dass Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und Altersgruppen aufeinandertreffen und sich nicht übersehen, sondern füreinander einstehen. Etwas, was ich in der aktuellen Entwicklung unserer Gesellschaft zunehmend schwinden sehe und schmerzlich vermisse.
Was bleibt, ist ein Roman, der nicht laut sein muss, um zu wirken, und gerade durch seine ruhige, glaubhafte Umsetzung eindringlich bleibt.
Mein Fazit
Mac Conin hat mit seinem Roman »Nirgendwann: Plan B war auch Mist« einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft gewagt, verpackt in eine Geschichte, die nicht gefallen will, sondern den Finger in die Wunde legen. Definitiv kein Liebesroman, sondern ein lesenswertes Buch für alle, die eine Geschichte mit Tiefe suchen.
Meine Bewertung

Hinweis: Werbung - Rezensionsexemplar | Vielen Dank an den Kontrabande Verlag für das Leseexemplar!
| ISBN: | 978-3-911831-18-5 |
| Sprache: | Deutsch |
| Ausgabe | Taschenbuch |
| Seitenzahl | 412 |
| Verlag | Kontrabande Verlag, Köln |
| Erscheinungsdatum: | 18.04.2025 |
Ein Buch, das vom Scheitern und Weitergehen erzählt.

