Nach mir die Flut
von Sarah Perry
Der Debütroman der Autorin des Bestsellers »Die Schlange von Essex«
An einem heißen Sommertag beschließt John Cole sein Leben hinter sich zu lassen.
Er sperrt seinen Buchladen zu, den nie jemand besuchte, und verlässt London. Nach einer Autopanne sucht er Hilfe, verirrt sich und gelangt zu einem herrschaftlichen, aber heruntergekommenen Anwesen.
Dessen Bewohner empfangen ihn mit offenen Armen – aber hinter der seltsamen Wohngemeinschaft steckt ein Geheimnis. Sie alle kennen seinen Namen, haben ein Zimmer für ihn vorbereitet und beteuern, schon die ganze Zeit auf ihn gewartet zu haben.
Wer sind diese Menschen? Und was haben sie mit John vor?
Auszug des Klappentexts
Ein Roman, der polarisiert und oft falsche Erwartungen weckt.
Ein paar Worte vorweg
Der Roman »Nach mir die Flut« von Sarah Perry stand schon ziemlich lange unbeachtet in meinem Buchregal. Bei einer Aufräumaktion fiel er mir in die Hände, und ich dachte, nun sollte ich endlich mal lesen. Gedacht, getan, aber leider …
Die Autorin
Sarah Perry wurde 1979 in Chelmsford, Essex, geboren und wuchs in einem baptistischen Elternhaus auf, das ihr den Zugang zu zeitgenössischer Kunst und Literatur weitgehend verwehrte. Stattdessen wandte sie sich der klassischen Musik und Literatur zu – Einflüsse, die sich später in ihrem Schreibstil widerspiegeln. Sie studierte Creative Writing an der Royal Holloway University of London und promovierte dort. Mit ihrem Debütroman »Nach mir die Flut« gelang ihr 2014 ein von Kritikern gefeiertes Debüt, aber mit »The Essex Serpent « gelang ihr der Durchbruch: Das Buch erreichte die Spitze der britischen Bestsellerlisten und wurde 2017 gleich doppelt mit dem British Book Award ausgezeichnet – als bester Roman und als bestes Buch des Jahres. Darüber hinaus war es für zahlreiche weitere Literaturpreise nominiert. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit verfasst Perry regelmäßig Literaturkritiken für Medien wie The Guardian und die Financial Times.
Begegnungen im Sommer
Der Buchhändler John Cole entflieht dem drückend heißen Sommer in London. Schließt spontan seinen kaum frequentierten Laden und macht sich auf den Weg, um endlich den ausstehenden Besuch bei seinem Bruder anzutreten. Doch die lange Fahrt endet überraschend, als sein Auto wegen Überhitzung in einer abgelegenen Gegend liegenbleibt. So macht er sich auf den Weg, um Hilfe zu suchen. Dabei irrt er orientierungslos durch den Wald, bis er auf ein heruntergekommenes Landhaus trifft. Zu seiner Überraschung empfangen die dortigen Bewohner ihn überaus herzlich –behaupten, ihn seit Langem zu kennen, haben sogar sein Zimmer vorbereitet. Diese skurrile Situation, dass alle so wirken, als hätten sie auf seine Ankunft gewartet, verwirrt John und lässt ihn in eine Art Lethargie verfallen, sodass er den Moment verpasst, das Missverständnis umgehend aufzuklären.
Und so bezieht John das fremde Zimmer, trägt die Kleidung eines anderen und lernt nach und nach seine merkwürdigen Mitbewohner kennen: da ist die strenge Matriarchin Hester, die geheimnisvolle Pianistin Eve, der einstige Prediger Elijah, die kindliche Claire und ihr Bruder Alex sowie der misstrauische Walker. Johns Anwesenheit im Haus erzeugt in ihm zunehmend das Gefühl, nicht gehen zu können und Teil eines rätselhaften Schicksals zu sein – als ein bloßer unangekündigter Besucher.
Ein Thema mit Potenzial
Für ihrem Roman »Nach mir die Flut« hat Sarah Perry sich einem Thema mit literarischem Potenzial zugewendet, und auch die kreierte Atmosphäre des Romans ist dicht und geheimnisvoll – verborgen zwischen Traum und Bedrohung. Seltsame Details wie rätselhafte Botschaften in Papierform sorgen für unterschwellige Unruhe, und gleichzeitig entstehen durch Perrys poetische Sprache und feine psychologische Zuspitzungen wohldosierte Spannungsmomente – zwischen Realität, Identitätsspielen und dem kaum Greifbaren jenseits des Verstehbaren.
Dieses Buch ist ein gutes Beispiel dafür, dass Geschmäcker verschieden sind und jede Medaille zwei Seiten hat.
Die Figurenzeichnung war solide, aber für mich nicht herausragend – und leider konnte mich keiner der Charaktere emotional erreichen oder wirklich für sich einnehmen.
Für mich entwickelt sich dieser Roman nicht zu dem erwarteten Pageturner. Es ist nicht das Buch, das mich nachhaltig berührt oder geprägt hat. Vielmehr hinterließ es bei mir ein Gefühl von Unzufriedenheit und Frustration, da meine Erwartungen an diese Geschichte so gar nicht erfüllt wurden.
Man merkt, dass dies ein Debütroman ist, trotz seiner geheimnisvollen und psychologisch raffinierten Note. Denn es fehlt ihm doch einiges, was eine richtig gute Geschichte in sich trägt.
Gefühlt deckt sich das jedoch nicht mit der Aussage, dass die Kritiker den Roman als durchaus beachtenswert empfunden hätten. Andererseits scheint die Autorin eine spürbare Entwicklung in ihrer Arbeit vollzogen zu haben, denn ihr zweites Buch wurde mehrfach prämiert.
Kurz zum Schluss
Den Roman »Nach mir die Flut« von Sarah Perry habe ich mit großen Erwartungen begonnen, die leider nicht erfüllt wurden. Daher gibt es dieses Mal keine Leseempfehlung von mir.
Das Können der Autorin zeigt sich augenscheinlich in ihrem zweiten Roman, der mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.
Mein Fazit: Ich hätte meine literarische Reise in Sarah Perrys Erzählwelten wohl besser mit ihrem zweiten Werk beginnen und dieses Buch ungelesen im Regal stehen lassen sollen.
Meine Bewertung

Hinweis: Keine bezahlte Werbung.
Coverabbildung: © Eichborn, verwendet im Rahmen der Buchbesprechung | Rezension
| ISBN: | 978-3-8479-0651-3 |
| Sprache: | Deutsch |
| Ausgabe | Gebundenes Buch |
| Seitenzahl | 272 |
| Verlag | Eichborn |
| Erscheinungsdatum: | Eichborn |
Atmosphärisch dicht, aber ganz anders als erwartet.

