Alle meine Wünsche

von Grégoire Delacourt

»Alle meine Wünsche« von Grégoire Delacourt - Buchcover | Buchblog der Buchleserin

Eines Tages gewann Jo im Lotto …

Jocelyne führt einen Kurzwarenladen im nordfranzösischen Arras. Die Kinder sind aus dem Haus, und Jos ganze Leidenschaft gilt ihrem Internet-Blog übers Sticken und Nähen. Sie liebt ihr kleines Leben, liebt sogar ihren ungehobelten Mann – bis durch einen Lottogewinn alles aus den Fugen gerät.

Auszug des Klappentexts

Zwischen dem Alltäglichen und Sehnsüchten – Eine feinsinnige Erzählung über Glück, Verlust und das Gewicht der Wünsche

Kurz vorweg

Heute stelle ich euch den Roman »Alle meine Wünsche« von Grégoire Delacourt vor. Dieser Roman bildet das Vorspiel zu seinem aktuellen Buch »Alle meine Träume«, das ich unbedingt lesen und besprechen möchte – doch um die verschiedenen Intentionen des Autors nachvollziehen zu können, wollte ich die Vorgeschichte unbedingt vorab lesen. Auf geht‘ s …

Der Mann hinter der Geschichte

»Alle meine Wünsche« stammt aus der Feder von Grégoire Delacourt. Der bekannte französische Bestsellerautor wurde 1960 in Valenciennes geboren, studierte Rechtswissenschaften und führt mit seiner Frau seit 2004 eine Werbeagentur.
»Alle meine Wünsche« ist sein zweiter Roman, und mit diesem gelang ihm der Durchbruch in Deutschland – und 26 weiteren Ländern. Seinen Debütroman »Der Dichter der Familie« veröffentlichte er erst im Alter von 50 Jahren, mit diesem Werk überzeugte er die Literaturkritiker und gewann direkt einige renommierte Literaturpreise.
Den Cineasten und Lesern des Feuilletons dürfte der Autor ebenfalls bestens bekannt sein: Eine bekannte amerikanische Schauspielerin prozessierte erfolgreich gegen ihn, weil die Hauptfigur seines Romans »Im ersten Augenblick« ihr zum Verwechseln ähnlich war, er ohne Genehmigung ihren Namen verwendete und damit Persönlichkeitsrechte verletzt wurden. Mehr dazu hier

Was denkt der Laie: Ein Prozess mit Geschmäckle oder eine literarische Hommage, die ihr Ziel gründlich verfehlte. Oder?

Der Jackpot des Lebens

Der Roman »Alle meine Wünsche« ist kein episches Werk, er erzählt detailverliebt von dem beschaulichen Leben der Jocelyne Guerbette.
Jocelyne lebt in einer kleinen französischen Stadt ein normales Leben. Sie ist nicht mehr blutjung, aber mit 47 Jahren längst noch nicht alt. Sie führt einen Kurzwarenladen und betreibt nebenbei einen beliebten Blog über Handarbeit.
Verheiratet ist sie mit Jocelyn – ein Paar, dessen Namensverwandtschaft allein schon einem Lottojackpot gleicht. Ihr Mann hatte früher einmal große Pläne, lebt heute jedoch vor allem in Routinen und materiellen Träumen. Die Ehe ist nicht perfekt, aber funktioniert – ihr Alltag bescheiden und geprägt von der Gewohnheit. Die Beziehung funktioniert auch, weil Jocelyne trotz aller Widrigkeiten ihren Mann Jocelyn wirklich liebt.

Eines Tages gewinnt Jocelyne völlig unerwartet im Lotto – 18.547.301,28 Euro! Doch anstatt den Millionengewinn sofort für sich zu beanspruchen, ist sie geschockt und gerät ins Grübeln: Was würde sich durch diesen plötzlichen Reichtum ändern? Wer würde sie dann noch wirklich mögen – und wer nur wegen des Geldes? Aus Angst, ihr bisheriges gemütliches Leben zu verlieren, beschließt sie, niemandem von ihrem Gewinn zu erzählen und versteckt den Scheck.

In Gedanken beginnt sie, eine Liste mit all ihren Wünschen zu schreiben – große und kleine. Doch je länger sie überlegt, desto mehr erkennt sie, wie kostbar das ist, was sie bereits hat. Gleichzeitig werden die Risse in ihrem bisherigen Leben sichtbarer, und ihre Entscheidung, den Gewinn geheim zu halten, bringt unerwartete Folgen mit sich.

Eine literarische Reflexion

Grégoire Delacourt schuf mit seinem Werk »Alle meine Wünsche« etwas Großes im Kleinen – nämlich eine überaus gut erzählt Geschichte voller Tiefe. Gekonnt bespielt der Autor den Traum von einem gigantischen Lottogewinn – ein Gewinn, der scheinbar alles zum Besseren wendet. Überaus feinsinnig zeigt er dabei auf, dass das eigentliche Problem im Leben der Menschen ganz woanders liegt. Mit seinem Buch öffnet er einen Raum, in dem Glück und Zufriedenheit neu gedacht werden können.

Sein Schreibstil ist fesselnd, besonders durch seine unaufgeregte Sprache. Er gibt seinen Protagonisten ein Gesicht, individuelle Charakterzüge und lässt dennoch genügend Freiraum für die Vorstellungskraft der Lesenden.
Für mich war der behutsame Aufbau der Geschichte im Zusammenspiel mit der Poesie des beschriebenen Alltags ein Lesegenuss, denn Delacourts zurückhaltender Erzählstil ließ die Geschichte buchstäblich in meine Gedanken einsickern.
Seine literarische Konfrontation mit dem Was wäre wenn? gepaart mit der Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen und seiner ausgearbeiteten Definition des wahren Glücks haben mich gefangengenommen. Die Erzählung hat mich dazu verleitet, Überlegungen anzustreben, wie ich in dieser Situation reagiert hätte, denn das Zögern bzw. die fast ängstliche Zurückhaltung der Protagonistin konnte ich mehr als nachvollziehen.

Es mag sein, dass die Wendung zum Ende der Geschichte für einzelne Lesende zu fiktional ist. Mich hat es hingegen neugierig gemacht, wie sich Jocelynes Weg in dem »Alle meine Träume« fortsetzen wird, denn noch längst habe ich nicht genug von dieser Erzählung. Daher war für mich dieses literarische Vorspiel eher ein Auftakt zu mehr als eine einfache Geschichte übers große Geld und seinen Auswirkungen – es ist eine Reflexion über menschliche Werte und die Komplexität des Alltags.

Mein Resümee

Grégoire Delacourt gelingt mit »Alle meine Wünsche« eine einfühlsame und stille Erzählung über das, was wirklich zählt im Leben. Der Roman hinterfragt auf sensible Weise den Traum vom schnellen Reichtum und zeigt, wie tief verwurzelt unsere Sehnsüchte und Ängste sind. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung der Geschichte – zum Glück liegt das Buch bereits auf meinem Lesestapel.

Meine Bewertung

5-Sterne-Bewertung
Hinweis: Keine bezahlte Werbung. 
Coverabbildung: © HEYNE Verlag, verwendet im Rahmen der Buchbesprechung
ISBN:978-3-453-42699-3
Sprache:Deutsch
AusgabeHardcover-Ausgabe
Seitenzahl128
VerlagHeyne
Erscheinungsdatum:09.11.2022
Fediverse-Reaktionen

Ein Roman über Glück, Unglück – und alles dazwischen.

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