Die Unsterblichen
von Chloe Benjamin
Ein melancholisches Buch über das Leben, den Tod – und alles dazwischen.
Sommer 1969: Wie ein Lauffeuer spricht sich in der New Yorker Lower East Side herum, dass eine Wahrsagerin im Viertel eingetroffen ist, die jedem Menschen den Tag seines Todes vorhersagen kann. Neugierig machen sich die vier Geschwister Gold auf den Weg. Nichtsahnend, dass dieses Wissen für jeden von ihnen auf unterschiedliche Weise zum Verhängnis wird. Simon, den Jüngsten, zieht es Anfang der 1980-er Jahre nach San Francisco, wo er nach Liebe sucht und alle Vorsicht über Bord wirft. Klara, verwundbar und träumerisch, wird als Zauberkünstlerin zur Grenzgängerin zwischen Realität und Illusion. Daniel findet nach 9/11 Sicherheit als Arzt bei der Army. Varya wiederum widmet sich der Altersforschung und lotet die Grenzen des Lebens aus. Doch um welchen Preis?
Auszug des Klappentexts
Berührend und melancholisch – ein Roman, der still unter die Haut geht und lange nachwirkt
Ein paar Worte vorweg
Den Roman »Die Unsterblichen« von Chloe Benjamin ziert ein wunderschönes Cover und weckte vermutlich deshalb mein Interesse. Doch bei näherer Betrachtung hat der Titel »Die Unsterblichen« gepaart mit dem Untertitel »Wie würdest du leben, wenn du wüsstest, an welchem Tag du stirbst?« mich gepackt. Mein Kopfkarussell ist direkt angesprungen, meine Neugierde war entfacht…
Die Autorin
Chloe Benjamin ist eine amerikanische Autorin. Sie wurde in San Francisco, Kalifornien, geboren, studierte an der University of Wisconsin literarisches Schreiben und lebt noch heute dort.
2014 veröffentlichte sie ihren Debütroman »The Anatomy of Dreams« und wurde direkt mit dem Edna Ferber Fiction Book Award ausgezeichnet. Sie war außerdem auf der Longlist für den Center for Fiction First Novel Prize.
Mit ihrem zweiten Roman »The Immortalists « toppte sie diesen Erfolg noch und erreichte die Spitzenplätze der Bestsellerlisten. Noch im selben Jahr erschien auch eine deutsche Übersetzung, »Die Unsterblichen«. Ihre Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt.
Die Autorin ist mit dem Schriftsteller Nathan verheiratet, und laut ihrer Aussage ist er ein wunderbarer Lektor für ihre Bücher.
Die Geschichte einer Familie
New York im Sommer 1969. Um der Langeweile zu entgehen, auf der Suche nach einem Abenteuer, besuchen vier Geschwister – Varya, Daniel, Klara und Simon – eine geheimnisvolle Wahrsagerin, die angeblich das genaue Todesdatum eines Menschen vorhersagen kann. Einzeln und der Verschwiegenheit verpflichtet, betreten sie die Räume der seltsamen Frau. Hinterher ist plötzlich alles anders. Diese Begegnung hinterlässt bei jedem Einzelnen einen tiefen Eindruck und bleibt nicht ohne Folgen, denn dieses Erlebnis beeinflusst jede ihrer Lebensentscheidungen auf dramatische Weise.
So entfaltet der Roman »Die Unsterblichen« sich über mehrere Jahrzehnte hinweg und bespielt die zentrale Frage: Wie verändert sich das Leben, wenn man glaubt zu wissen, wann es enden wird?
Die Frage aller Fragen
Was wäre, wenn man das genaue Datum seines Todes kennen würde? Diese provokante Frage steht im Zentrum von Chloe Benjamins Roman »Die Unsterblichen«und bildet den Ausgangspunkt für eine vielschichtige Familiengeschichte, die sich über mehrere Jahrzehnte und Lebensentwürfe erstreckt. Mit feinem Gespür für psychologische Tiefe und existenzielle Themen beleuchtet Benjamin die Lebenswege von vier Geschwistern, die sich nach einer schicksalhaften Prophezeiung immer stärker fragen: Bestimmen wir unser Schicksal selbst – oder leben wir in seinem Schatten?
Zwischen den Zeilen und Seelen
Der Aufbau Benjamins Roman »Die Unsterblichen« ist so gestaltet, dass jedem Geschwisterkind ein eigener Abschnitt gewidmet ist. Beginnend bei Simon, dem jüngsten Kind der Familie.
Die Autorin überzeugt besonders durch ihre feinfühlige und glaubwürdige Figurenzeichnung. Jedes der vier Geschwister wird mit großer psychologischer Tiefe und individueller Stimme dargestellt – ihre Ängste, Hoffnungen und Widersprüche wirken authentisch und greifbar. Die Autorin nähert sich ihren Figuren mit Empathie, ohne sie zu idealisieren, und lässt ihre inneren Konflikte ganz organisch aus der Handlung entstehen. Sprachlich bewegt sich der Roman zwischen klarer Direktheit und poetischer Bildsprache. Benjamin schreibt atmosphärisch dicht, aber nie überladen – ein Stil, der Emotionen nuanciert transportiert und dem Erzählten Raum zum Nachwirken lässt. Gerade diese sprachliche Zurückhaltung verleiht dem Roman eine eindringliche, fast stille Kraft.
»Die Unsterblichen« ist ein Roman, der weit über seine faszinierende Grundidee hinausreicht. Die Autorin verwebt psychologische Tiefe mit existenziellen Fragen und erzählt eine Familiengeschichte, die ebenso berührend wie nachdenklich stimmend ist. Das Buch lädt dazu ein, über das eigene Verhältnis zu Zeit, Schicksal und Selbstbestimmung nachzudenken – ohne dabei je belehrend zu wirken. Eine kluge, emotionale und vielschichtige Lektüre, die lange nachhallt.
Ein starkes Buch, das zum Nachdenken anregt, aber durch seine ruhige Erzählweise dennoch die Distanz zum Lesenden bewahrt.
Mein Resümee
In »Die Unsterblichen« von Chloe Benjamin wird keine heitere Familiengeschichte erzählt. Vielmehr schildert die Autorin in ihrem Buch eindringlich und berührend das Spannungsfeld zwischen freiem Willen und Vorhersehung – eingebettet in eine Familiengeschichte voller Verlust, Bindung und der tiefen Sehnsucht, das eigene Schicksal lenken zu können.
Meine Bewertung

Hinweis: Keine bezahlte Werbung.
Coverabbildung: © btb Verlag, verwendet im Rahmen der Buchbesprechung | Rezension
| ISBN: | 9-783442-719853 |
| Sprache: | Deutsch |
| Ausgabe | Taschenbuch |
| Seitenzahl | 480 |
| Verlag | btb |
| Erscheinungsdatum: | 10.05.2021 |
Eine bewegende Familiengeschichte mit Nachhall

