Bissle Spätzle, Habibi?

von Abla Alaoui

»Bissle Spätzle, Habibi?« von Abla Alaoui - Buchcover | Buchblog der Buchleserin

Habibi, es ist ein Schwabe!

Amaya ist 30 und Single. Eine Konstellation, die ihre marokkanischen Eltern in stete Sorge versetzt. Um allen einen Gefallen zu tun, geht Amaya auf ein Date mit Ismael. Doch es ist sein bester Freund Daniel, der ihr Herz höherschlagen lässt. Daniel ist allerdings nicht nur Atheist, was bei Amayas Eltern schon für Sodbrennen sorgen würde, sondern Schwabe – kulturelles Neuland für Amaya. Als sie ihren Eltern aus der Not heraus schließlich Ismael als potenziellen Schwiegersohn vorstellt, während Daniel staunend daneben sitzt, ist das Chaos perfekt …

Auszug des Klappentexts

Kulturelle Konflikte und Selbstfindung – ein liebenswerter Roman über das Dazwischen

Bevor wir einsteigen

Das Buch »Bissle Spätzle, Habibi?« von Abla Alaoui hatte ich länger umkreist. Regelmäßig war es mir in diversen Buchläden aufgefallen. Allerdings verspürte ich eine tiefe Verunsicherung: Die vorhandenen Rezensionen zu dem Werk ließen meinen gedanklichen Schubladenschrank vorfreudig erzittern und mich fragen, ob der Roman meine Erwartungen erfüllen würde. Die Grundidee des Plots fand ich ansprechend, jedoch kann eine solche Geschichte schnell ins Kitschige abrutschen – und das ist gar nicht meins.

Kürzlich wurde ich auf eine Berliner Secondhand-Bücherplattform aufmerksam, und bei meiner ersten Suche wurde mir dieser Unterhaltungsroman angezeigt. Was soll ich sagen: Schicksal oder Zufall? Egal. Jetzt war klar, ich werde die Geschichte lesen. Los geht’s.

Wer schrieb das Buch?

Abla Alaoui wurde 1990 geboren und wuchs in der Nähe von Frankfurt am Main im Hochtaunuskreis auf. Sie ist eine erfolgreiche deutsch-marokkanische Musicaldarstellerin, Schauspielerin, Sängerin und Autorin. Seit 2013 ist sie auf deutschsprachigen Musicalbühnen unterwegs, und bis Ende Juli 2025 steht sie als Anna in »Die Eiskönigin« am Stage Apollo Theater in Stuttgart auf der Bühne.
Nach eigenen Angaben hat Sie ein Herz für gutes Essen, mutige Menschen und gemütliche Schmökertage. Und das glaube ich gern, denn dies spiegelt sich in ihrem Debütroman wider: Sie schreibt über etwas, das wir alle kennen – die liebe Familie, leckeres Essen und das, was das Herz will.

Spätzle und Habibi

Die Geschichte von »Bissle Spätzle, Habibi?« spielt in Hamburg. Amaya ist eine erfolgreiche Singlefrau marokkanischer Herkunft. Von Beruf ist sie Schauspielerin und mit einer liebvollen und einnehmenden Familie gesegnet. Inzwischen feierte sie ihren 30. Geburtstag und ist als ältestes Kind noch unverheiratet. Ein haltloser Zustand in den Augen der Eltern. Diese sind zunehmend besorgt, weil ihre Tochter bisher keinen passenden Partner gefunden hat. Dabei trifft sich Amaya öfters mit Männern, nur hat der berühmte Funke bisher nicht gezündet. Daher folgt Amaya spontan dem Drängen ihrer beunruhigten Mutter und geht auf ein Date mit Ismael, den diese auf der muslimischen Dating-App »Minder« entdeckt hat. Doch es ist nicht Ismael, der ihr Herz erobert, sondern dessen bester Freund Daniel – ein Schwabe und Atheist.
Diese Konstellation stellt für Amaya eine echte Herausforderung dar, da sie glaubt, dass ihre Eltern einen »Alman« niemals akzeptieren würden. Geprägt durch ihre Ängste und Sorgen, unternimmt sie den verzweifelten Versuch, den Erwartungen ihrer Eltern gerecht zu werden. Sie stellt ihnen Ismael als ihren Freund vor – während Daniel daneben sitzt. Chaos ist damit vorprogrammiert …

Zwischen den Zeilen

Die Autorin wählt für ihren Debütroman »Bissle Spätzle, Habibi?« einen lockeren, leichten und gut lesbaren Schreibstil. Diese unbeschwerte Erzählweise trifft auf liebevoll ausgearbeitete Charaktere, egal ob Haupt- oder Nebenfigur.
Durch die sprachliche Leichtigkeit findet man rasch in die unkomplizierte Geschichte und muss die Protagonisten einfach mögen. Reizvoll war für mich das Spiel mit Klischees und den kulturellen Unterschieden. Die Autorin platziert kritische Anmerkungen zum allgegenwärtigen Alltagsrassismus, nimmt sich der Fragestellung zur Erwartungshaltung an – der eigenen wie den fremdgesteuerten – und bespielt mit Bravour die Klaviatur der Freundschaft.

In zahlreichen Rückblenden lernt die Leserschaft Amaya und ihre beste Freundin Klara von Kindesbeinen an kennen. Versteht die tiefe Bindung zwischen den beiden Freundinnen und erfährt einiges über die familiären Strukturen innerhalb dieser muslimisch geprägten Familie.

Anders als gedacht

Wie eingangs erwähnt, hatte ich den Roman »Bissle Spätzle, Habibi?« bereits längere Zeit im Visier. Das lag daran, dass mich die literarische Auseinandersetzung mit interkulturellen Beziehungen in Deutschland interessiert – besonders in Kombination mit einem schwäbischen Sidekick, eine Konstellation, die ich außerordentlich reizvoll fand.

An einigen Stellen habe ich herzlich gelacht, weil mir ein paar der beschriebenen Szenen in ähnlicher Form als »Reigeschmeckte« (Zugezogene) passiert sind. Ja, ja … der »Teppich«. Köstlich! 🙂

Trotz aller anfänglichen Euphorie für den Plot muss ich zugeben, dass mich nach circa drei Vierteln der Geschichte diese Begeisterung verließ. Amayas Zögerlichkeit, ihre Unfähigkeit, für ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse einzustehen, empfand ich vermehrt als anstrengend. Es ist denkbar, dass ich diesen Aspekt ohne muslimischen Hintergrund nicht vollumfänglich nachvollziehen kann. Ungeachtet dessen wurde das Lesen zunehmend mühsamer – am liebsten hätte ich ihr ständig zugerufen: »Jetzt komm in die Puschen, Mädel!«

Mein Fazit

Der Debütroman »Bissle Spätzle, Habibi?« von Abla Alaoui ist eine humorvolle und warmherzige Erzählung. Sie trifft den Zeitgeist und widmet sich einem Thema, das in der deutschen Literatur bisher wenig Beachtung gefunden hat.
Mich hat das Buch streckenweise trefflich unterhalten, und man bemerkt, dass die Autorin aus dem Schauspiel kommt – der Roman wäre ideal für eine Verfilmung geeignet.

Meine Bewertung

4-Sterne-Bewertung | Buchblog der Buchleserin
Hinweis: Keine bezahlte Werbung.
Coverabbildung: © Ullstein Taschenbuch Verlag, verwendet im Rahmen der Buchbesprechung
ISBN:978-3-548-06630-1
Sprache:Deutsch
AusgabeTaschenbuch
Seitenzahl464
VerlagUllstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum:26.01.2023
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